Michael Hollister

Michael Hollister

UPDATE: Russland-Ukraine-Konflikt

Die militärische Lage im Ukraine-Russland-Krieg verschiebt sich erstmals seit Jahren sichtbar: Russland verliert netto Terrain, während die Ukraine begrenzte Geländegewinne meldet. Doch politisch bleibt der Krieg blockiert. Der gescheiterte Victory-Day-Waffenstillstand zeigt, dass kurzfristige Feuerpausen kaum noch diplomatische Wirkung entfalten. Gleichzeitig baut Kiew eine eigene Rüstungsexportstruktur auf, schließt Sicherheitsabkommen mit Golfstaaten und verlagert Drohnenproduktion nach Europa. Deutschland steht dabei nicht mehr nur als Unterstützer, sondern zunehmend als Kriegsproduzent im Konfliktfeld. Der Lagebericht zeigt: Die Front bewegt sich - die Diplomatie nicht.

UPDATE – USA UND ISRAEL GREIFEN IRAN AN – 20.05.2026

Trump stand nach eigener Darstellung „eine Stunde“ vor einem neuen Großangriff auf Iran - und sagte ihn ab. Nicht aus Entspannung, sondern auf Bitten der Golfstaaten und unter fortbestehender Drohung. Während Teheran seine alten Forderungen erneut vorlegt, Washington mit Kapitulationsbedingungen kontert und der US-Senat erstmals sichtbar gegen den Iran-Krieg aufbricht, rückt ein anderer Fall ins Zentrum: der US-Schlag auf die Mädchenschule von Minab. Dieses Update zeigt eine Woche, in der der Krieg nicht eskalierte - aber die Machtlinien dahinter deutlicher wurden: in Washington, in Peking, im Libanon und im Schatten eines Angriffs, dessen Aufklärung zur Systemfrage wird.

Was Trump und Hegseth als nächstes greifen

Der Werkzeugkasten der Trump-Administration ist nicht leer. Was bisher gegriffen wurde - Venezuela, Iran, Hormuz, Panama - sind die schnellen Werkzeuge. Die schweren liegen noch obenauf: Kuba, Kharg Island, Taiwan. Wer die Auswahllogik von Trump und Hegseth kennt, weiß, in welcher Reihenfolge sie greifen werden - und warum die eigentliche Triebfeder nicht Geopolitik ist, sondern eine Währung, die noch nicht existiert.

12 Denkfabriken, 30 Studien – ein Auftrag

Was die Trump-Administration seit Januar 2025 in Venezuela, Iran, der Straße von Hormus und dem Indo-Pazifik exekutiert, wirkt wie Improvisation eines unberechenbaren Präsidenten. Es ist das Gegenteil: die systematische Abarbeitung einer Empfehlungsliste, die zwölf amerikanische Denkfabriken zwischen 2014 und 2026 in mehr als 30 Studien niedergeschrieben haben. Eine Analyse darüber, wie Think-Tank-Sprache zur Pentagon-Doktrin wird – und warum das Zeitfenster 2026 schließt.

UPDATE – USA UND ISRAEL GREIFEN IRAN AN – 17.05.2026

Tag 77. Trump nennt Irans Verhandlungsangebot "Stück Müll" und erklärt den Waffenstillstand klinisch tot. Die New York Times meldet intensive Angriffsvorbereitungen für "nächste Woche." Energieminister Wright sagt, Iran sei "Wochen" von waffengrädiger Anreicherung entfernt - die eigene CIA sagt Monate. Saudi-Arabien und UAE kämpfen heimlich mit. Und Iran formalisiert die Hormuz-Kontrolle als institutionelles Dauerprojekt - unabhängig davon, wie der Krieg endet.

UPDATE – USA UND ISRAEL GREIFEN IRAN AN – 13.05.2026

Tag 74. Der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran besteht auf dem Papier - und wird täglich gebrochen. Teheran hat erstmals öffentlich waffengrade Uranreicherung auf 90 Prozent als Option benannt. Saudi-Arabien hat Iran verdeckt angegriffen und dem US-Militär danach Basisrechte entzogen. Die IRGC hat die Hormuz-Kontrollzone auf das Zehnfache ausgeweitet. Im Libanon sind seit dem Waffenstillstand vom 17. April 380 Menschen getötet worden - darunter Kinder, Rettungskräfte, ein Vater mit seiner zwölfjährigen Tochter. Trump nennt den Krieg eine "6-Wochen-Exkursion" und erklärt, die finanzielle Lage der Amerikaner interessiere ihn "not even a little bit." Das vollständige Lagebild - mit Quellenverzeichnis.

Mali brennt, Russland blutet

Mali steht im Frühjahr 2026 nicht nur vor einer inneren Sicherheitskrise. Der koordinierte Angriff von Tuareg-Separatisten und JNIM, der Rückzug des russischen Africa Corps aus Kidal und der Druck auf Bamako zeigen eine neue Qualität des Krieges im Sahel. Was oberflächlich wie eine französische Revanche gegen Russlands Einfluss wirkt, entpuppt sich als komplexere Stellvertreterstruktur: ukrainische Drohnenkompetenz, algerische Rückzugsräume, französische Interessen und ein russisches Sicherheitsmodell, das sichtbar erodiert. Dieser Artikel zeigt, warum Mali zur afrikanischen Nebenfront des Russland-West-Konflikts geworden ist - und warum der Ausgang dieser Krise weit über Bamako hinausreicht.

Welt in Flammen – Teil 9

Was geschieht, wenn die Welt nicht durch einen großen Krieg zerbricht, sondern durch viele kleinere Brände, die niemand mehr löscht?
Im abschließenden Teil der Serie „Europa bereitet sich auf Krieg vor“ untersucht Michael Hollister ein Szenario, das nicht auf Fantasie beruht, sondern auf bereits existierenden Konfliktlinien: Korea, Taiwan, Indien und Pakistan, Iran und Israel, Türkei und Griechenland, Balkan, Kaukasus, Myanmar, Südchinesisches Meer, Afrika.
Bisher wurden viele dieser Konflikte durch Supermächte eingedämmt - durch Druck, Vermittlung, Abschreckung oder militärische Präsenz. Doch was passiert, wenn USA, China und Russland gleichzeitig durch eigene Großkonflikte gebunden sind? Dann entsteht ein globales Machtvakuum. Und in Machtvakuen handeln Staaten nicht nach Moral, sondern nach Gelegenheit.

Drei Hebel, vier Konter

Am 24. April 2026 sanktionierte Washington einen chinesischen Fortune-Global-500-Konzern wegen iranischer Ölkäufe - und löste damit eine Eskalation aus, die weit über Iran hinausgeht. Drei US-Hebel, drei Wochen vor einem geplanten Trump-Xi-Gipfel: Marineblockade, OFAC-Designierung, Hormus-Mautfalle. Pekings Antwort kam ohne Pressekonferenz - dafür auf vier strukturellen Ebenen gleichzeitig. Eine Analyse der unsichtbaren Eskalation zwischen Washington und Peking, die Iran als Schauplatz benutzt, ohne von Iran zu handeln.

„Geld spielt keine Rolle“

47.000 Beschaffungsverträge, 111 Milliarden Euro, vier Jahre Zeitenwende - und das Bundesverteidigungsministerium kann nicht zentral auswerten, was davon geliefert und einsatzbereit ist. Der Bundesrechnungshof hat genau davor seit 2022 schriftlich gewarnt. Die politische Antwort darauf ist kein Kurswechsel, sondern eine Verdoppelung: Der Wehretat soll bis 2030 auf 180 Milliarden Euro steigen, die Schuldenbremse für Verteidigung gilt nicht mehr. Eine Analyse darüber, wie unkontrollierte Mittelvergabe zur Architektur wird.