Michael Hollister

Michael Hollister

IRAN: Was nach den Bomben bleibt

Eine Militäroperation, die Irans Nuklearprogramm ein für alle Mal stoppen sollte - und die möglicherweise genau das Gegenteil bewirkt hat. 200 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran sind verschwunden. Vier Nuklearanlagen liegen in Trümmern, in denen radioaktive und chemisch toxische Substanzen freigesetzt wurden - in bewohnten Gebieten, ohne Monitoring, ohne Zugang für internationale Behörden. Und der Mann, der als religiöse Bremse gegen iranische Atomwaffen galt, ist tot. Was bleibt, ist eine strategische Logik, die in Teheran eine Richtung vorgibt: nicht weg von der Bombe, sondern auf sie zu.

Grönland – Das arktische Geschäft Teil 2

Wer den GIUK-Gap kontrolliert, kontrolliert den Durchgang zwischen Arktis und Atlantik. Wer Pituffik kontrolliert, kontrolliert den GIUK-Gap. Wer Grönland kontrolliert, hält den Riegel - ohne Fahne, ohne Vertrag, ohne einen Cent eigener Infrastrukturkosten. Cui bono? Die USA bekommen die Kontrolle. Europa zahlt die Rechnung. Grönland wurde nicht gefragt. Das ist keine Allianz. Das ist Arbeitsteilung unter Ungleichen.

Der ewige Wettlauf – Panzerfaust, Iron Dome und die Illusion des perfekten Schilds

Seit 1943 gilt dasselbe Gesetz: Jede Waffe erzeugt ihre Abwehr. Jede Abwehr erzeugt ihre Umgehung. Am 1. März 2026 wurde dieses Gesetz über Israel bestätigt — von einer iranischen Rakete, die kein System der Welt aufhalten konnte. Was die Panzerfaust mit Iron Dome, Arrow-3 und Donald Trumps 175-Milliarden-Dollar-Projekt Golden Dome verbindet, ist kein technisches Detail. Es ist ein Grundgesetz der Kriegsgeschichte. Und es hat Konsequenzen, die weit über den Nahen Osten hinausreichen.

Türkei 2026 – Die Macht, die niemand benennen will

Eine abgefangene Rakete über der Türkei wirkt zunächst wie ein weiteres Randereignis des eskalierenden Iran-Krieges. Doch hinter dem Vorfall verbirgt sich möglicherweise eine weit größere geopolitische Verschiebung. Während westliche Medien auf Teheran blicken, entsteht im Hintergrund ein neues Narrativ: Die Türkei werde zum nächsten strategischen Gegner des Westens. Dieser Artikel untersucht, wer dieses Narrativ formt, welche Interessen dahinterstehen - und warum Ankara heute zu den wenigen Staaten gehört, die gleichzeitig mit NATO, Russland, China und dem globalen Süden operieren können. Die eigentliche Frage lautet nicht, ob die Türkei eine Bedrohung ist. Sondern welche geopolitische Ordnung nach dem Iran-Krieg entstehen soll - und wer davon profitiert, Ankara aus ihr herauszudrängen.

Deutsche Chips für russische Drohnen

Infineon-Transistoren, Bosch-Kraftstoffpumpen, Rheinmetall-Tochter Pierburg: 112 EU-Bauteile stecken in jeder russischen Geran-2-Drohne, die ukrainische Kraftwerke zerstört. Die Lieferkette ist bekannt. Die Lücken im Sanktionsregime sind gewollt. Und Deutschland zahlt gleichzeitig Milliarden für den Wiederaufbau - der Infrastruktur, die deutsche Chips Nacht für Nacht zerstören.

Grönland – Das arktische Geschäft Teil 1

Kein Vertrag. Kein Kaufpreis. Keine Unterzeichnung. Und dennoch hat Donald Trump in Davos in zwanzig Minuten erreicht, wofür andere Präsidenten Jahrzehnte gebraucht hätten: strategische Kontrolle über die rohstoffreichste und militärisch bedeutsamste Insel der Nordhalbkugel. Das Grönland-Framework ist kein Immobiliengeschäft. Es ist ein Lehrstück in geopolitischer Methodik — und Europa zahlt die Rechnung, ohne Mitsprache gehabt zu haben.

Mexiko – Operation Kontrolliertes Chaos

Der Tod des Kartellchefs El Mencho wird weltweit als Triumph Mexikos gefeiert. Doch hinter der spektakulären Operation verbirgt sich möglicherweise etwas anderes: der erste öffentliche Test einer neuen US-Doktrin für Lateinamerika. Geheimdienstinformationen aus Washington, eine neue Anti-Kartell-Taskforce und eine juristische Neubewertung der Kartelle als Terrororganisationen könnten den Beginn einer völlig neuen Phase amerikanischer Intervention markieren. War El Menchos Tod wirklich ein Sieg gegen das organisierte Verbrechen – oder der Auftakt zu einer Strategie kontrollierten Chaos in Mexiko?

China – Das stille Manöver

Seit dem 28. Februar 2026 - dem Tag der ersten US-israelischen Angriffe auf den Iran - hat China kein einziges Militärflugzeug mehr in Taiwans Luftverteidigungszone geschickt. Sechs Tage Stille in einer Meerenge, in der Eskalation zur Normalität geworden ist. Das ist keine Entspannung. Das ist Kalkül: Während die USA im Persischen Golf Munition verbrauchen, Waffenlieferungen an Taiwan verzögern und China seine Optionen für 2027 ausbaut, hält Peking die Stille - weil es sie gerade nicht braucht.

Steve Witkoff: Der Dealmaker

Steve Witkoff ist kein Karrierediplomat – und genau das macht ihn zur Schlüsselfigur der amerikanischen Außenpolitik unter Donald Trump. Vom Immobilienentwickler aus der Bronx zum Sondergesandten für die schwierigsten Verhandlungen der Welt: Gaza, Moskau, Teheran, Genf. Dieser Text analysiert, wie persönliche Loyalität, transaktionales Denken und unternehmerische Risikobereitschaft ein neues Modell der Diplomatie formen – mit Chancen, Risiken und offenen Fragen für die globale Ordnung.

Genf 2026: Der Deal ohne Europa

Vier Verhandlungsrunden über den größten Krieg auf europäischem Boden seit 1945 – und kein einziger EU-Vertreter saß am Tisch. Während Washington, Moskau und Kyiw in Genf über Frontlinien, Sicherheitsgarantien und den Wiederaufbau der Ukraine verhandeln, zahlt Europa die Rechnung, liefert die Waffen – und wartet draußen. Was in europäischen Redaktionen kaum stattfindet: Russland hat in diesen Gesprächen mehr konzediert als je seit Kriegsbeginn. Der Rahmen für Europas Sicherheitsarchitektur der nächsten Jahrzehnte wird gerade gesetzt. Europa hat ihn nicht mitgeschrieben.