UPDATE – USA UND ISRAEL GREIFEN IRAN AN – 28.06.2026

Zehn Tage nach dem Memorandum wird wieder geschossen: Die USA bombardieren iranische Küstenstellungen, Iran greift Schiffe und Bahrain mit Drohnen an, während das Abkommen zwischen Israel und dem Libanon bereits an der Hisbollah zu scheitern droht. Oman gerät zwischen Teherans Kontrollanspruch und die Forderung nach freier Schifffahrt, die IAEA bleibt vor verschlossenen Türen - und Washington fordert 87,6 Milliarden Dollar für einen Krieg, den es offiziell für beendet erklärt hat. Der Waffenstillstand ist nicht zusammengebrochen. Er wird gerade unter Feuer neu ausgehandelt.

Upddate-Meldung * Aktualisiert: 28. Juni 2026 – Aufbauend auf meinem Update vom 24. Juni 2026

von Michael Hollister
Exklusive Veröffentlichung nur bei Michael Hollister am 28.06.2026

2.637 Wörter * 14 Minuten Lesezeit

FEUER AUF DEN WAFFENSTILLSTAND: DAS MEMORANDUM IM PRAXISTEST

TICKER

USA GREIFEN IRAN IN ZWEI AUFEINANDERFOLGENDEN NÄCHTEN AN – CENTCOM SPRICHT VON „GRÖSSEREM EINSATZ“
Zehn Tage nach Unterzeichnung des Memorandums haben die USA erstmals seit dem Waffenstillstand wieder iranische Ziele bombardiert – an zwei aufeinanderfolgenden Nächten. Am 26. Juni trafen US-Flugzeuge iranische Raketen- und Drohnenlager sowie Küstenradaranlagen im Raum Sirik; am 27. Juni folgten Angriffe auf Überwachungsinfrastruktur, Kommunikationssysteme, Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Minenlegefähigkeiten. Ein US-Verteidigungsbeamter erklärte gegenüber Fox News, der zweite Einsatz sei umfangreicher gewesen als der erste. CENTCOM begründete beide Angriffswellen mit iranischen Drohnenattacken auf Handelsschiffe und erklärte, Iran habe „die Chance erhalten, den Waffenstillstand einzuhalten, sich aber dagegen entschieden“.

IRAN FEUERT MINDESTENS VIER DROHNEN AUF SCHIFFE IM SÜDLICHEN KORRIDOR – EVER LOVELY GETROFFEN
Am 25. Juni traf eine iranische Kamikaze-Drohne das unter singapurischer Flagge fahrende Containerschiff M/V Ever Lovely, das die Straße von Hormus entlang der omanischen Küste verließ. Trump erklärte auf Truth Social, Iran habe insgesamt mindestens vier Drohnen auf Schiffe in der Meerenge abgefeuert; drei weitere seien abgeschossen worden. Der Angriff richtete sich gegen Schiffe, die den von der IMO und Oman eingerichteten südlichen Korridor nutzten – eine Route, die Iran als unzulässig betrachtet. Die IRGC hatte bereits am selben Tag per VHF-Kanal 16 gewarnt, die Durchfahrt ohne iranische Genehmigung sei „äußerst gefährlich und verboten“.

IRGC ERZWINGT ROUTENKONTROLLE – FÜNF SCHIFFE ZUM UMKEHREN GEZWUNGEN
Bereits vor dem Angriff auf die Ever Lovely hatte die IRGC am 25. Juni Schiffe im südlichen Korridor zum Umkehren gezwungen. Die maritime Analyseplattform Windward identifizierte fünf Schiffe mit Umkehrverhalten, darunter die Omega Trader, SG Pegasus, Blue Star I und Azumasan. Die Omega Trader verlor ihr AIS-Signal und änderte innerhalb von zwei Stunden ihr eingetragenes Ziel. Damit beansprucht Iran die Kontrolle über alle drei Korridore der Meerenge – den nördlichen entlang seiner Küste, den zentralen verminten Korridor und nun auch den südlichen entlang Omans. Am 24. Juni waren noch 49 AIS-sichtbare Transits verzeichnet worden – der Höchstwert seit Kriegsbeginn.

IRAN MELDET VERGELTUNGSANGRIFFE – BAHRAIN VON DROHNEN GETROFFEN, SUPERTANKER KIKU BESCHÄDIGT
Am 27. Juni erklärten die Revolutionsgarden, sie hätten als Reaktion auf die US-Angriffe „mehrere Standorte der US-Terrorarmee in der Region“ angegriffen, ohne konkrete Ziele zu nennen. Bahrain bestätigte einen iranischen Drohnenangriff auf sein Territorium und verurteilte ihn als „flagrante Verletzung der Souveränität“ – das Land beherbergt das Hauptquartier der 5. US-Flotte. Parallel wurde der unter panamaischer Flagge fahrende Supertanker Kiku in der Straße von Hormus von einer Kamikaze-Drohne getroffen; das Schiff transportierte nach CENTCOM-Angaben über zwei Millionen Barrel qatarisches Rohöl Richtung Fujairah. Ein US-Beamter erklärte gegenüber CNN, man habe nach Irans Vergeltungsankündigung „ein paar Drohnen“ detektiert, aber kein US-Militärgut sei getroffen worden.

IMO STOPPT EVAKUIERUNG – JMIC ERHÖHT GEFAHRENSTUFE UND ERWEITERT GLEICHZEITIG DEN KORRIDOR
Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation setzte nach dem Angriff auf die Ever Lovely ihre organisierte Evakuierungsaktion für gestrandete Schiffe aus. Bis dahin waren 115 Schiffe mit rund 2.450 Seeleuten durch das koordinierte Verfahren geführt worden; am 25. Juni selbst waren 51 Passagen verzeichnet worden – der Höchstwert der gesamten Aktion. Am 27. Juni erhöhte das Joint Maritime Information Centre die Gefahrenstufe von „moderate“ auf „substantial“ und warnte vor Minen. Zugleich erweiterte das JMIC den südlichen Korridor für gleichzeitigen Ein- und Ausgangsverkehr – eine operative Ausweitung bei gleichzeitig verschärfter Risikoeinschätzung.

USA UND GOLFKOOPERATIONSRAT FORDERN FREIE PASSAGE – IRAN WEIST ERKLÄRUNG ALS „PROVOKATIV“ ZURÜCK
Außenminister Rubio und die sechs GCC-Außenminister verabschiedeten am 25. Juni in Manama eine gemeinsame Erklärung, die freie, bedingungslose und uneingeschränkte Schifffahrt durch Hormus fordert – ohne Maut, Zwangsregistrierung oder einseitige iranische Kontrolle. Die Erklärung verurteilte Angriffe Irans und iranisch verbundener Gruppen auf Golfstaaten und knüpfte weitere wirtschaftliche Zusammenarbeit an die Einhaltung des Memorandums. Das iranische Außenministerium wies die Manama-Erklärung als „interventionistisch, unverantwortlich und provokativ“ zurück und warf den Golfstaaten vor, amerikanische und israelische Positionen zu übernehmen.

OMAN UNTERZEICHNET ZWEI UNVEREINBARE ERKLÄRUNGEN IN 48 STUNDEN
Am 24. Juni unterzeichnete Oman mit Iran eine gemeinsame Erklärung über eine Arbeitsgruppe zur „künftigen Verwaltung“ der Schifffahrt in der Meerenge, einschließlich „Dienstleistungen und damit verbundener Kosten“. Zwei Tage später unterzeichnete Oman die GCC-Erklärung in Manama, die Gebühren und Kontrollversuche ausdrücklich ablehnt. Laut Bloomberg haben omanische Diplomaten europäischen Amtskollegen erklärt, ein Zurück zum Vorkriegszustand sei unmöglich – Schiffe müssten möglicherweise für Entminung oder Navigationshilfe zahlen. Oman stehe unter iranischem Druck; gleichzeitig analysiere man das Malakka-Modell als mögliche Vorlage. Sultan Haitham reist am 28. Juni nach Paris zu Macron – Thema laut dem Élysée: „freie und bedingungslose Passage durch die Straße von Hormus“.

ISRAEL, LIBANON UND USA UNTERZEICHNEN TRILATERALES RAHMENABKOMMEN
Am 26. Juni unterzeichneten der israelische Botschafter Yechiel Leiter, die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh Moawad und State-Department-Berater Dan Holler in Washington ein Rahmenabkommen. Es sieht einen schrittweisen israelischen Rückzug aus zwei Pilotzonen im Südlibanon vor – eine nördlich, eine südlich des Litani -, die Übernahme durch die libanesische Armee und die Entwaffnung der Hisbollah. Rubio bezeichnete das Abkommen als „the beginning of the beginning“ und kündigte eine trilaterale Military Coordination Group sowie 100 Millionen Dollar humanitäre Hilfe an. Netanyahu erklärte, Israel werde die Pufferzone behalten, „solange die Hisbollah nicht entwaffnet und eine Bedrohung für Israel besteht“, und beschrieb den Rückzug aus Gebieten, die die IDF „nicht braucht“.

HISBOLLAH UND AMAL LEHNEN DAS ABKOMMEN AB – BÜRGERKRIEGSWARNUNG
Hisbollah-Generalsekretär Naim Qassem bezeichnete das Rahmenabkommen als „null“, „Demütigung“ und „Souveränitätsverzicht“ und forderte, es durch das US-Iran-Memorandum zu ersetzen. Jeder Versuch, den israelischen Rückzug an die Entwaffnung der Hisbollah zu koppeln, überschreite „rote Linien“. Hisbollah-Parlamentarier Hassan Fadlallah erklärte, das Abkommen könne nur durch einen „von den USA unterstützten Bürgerkrieg“ durchgesetzt werden; Hisbollah-Anhänger demonstrierten am Freitagabend in Beirut. Am 27. Juni schloss sich die Amal-Bewegung – Hisbollahs politischer Hauptverbündeter – der Ablehnung an und nannte das Abkommen „unausgewogen“. Damit stehen beide großen schiitischen Kräfte im Libanon gegen die Vereinbarung.

ISRAEL GREIFT EINEN TAG NACH UNTERZEICHNUNG ERNEUT IM LIBANON AN – EIN TOTER
Am 27. Juni meldete die libanesische staatliche Nachrichtenagentur NNA einen israelischen Drohnenangriff in Nabatieh al-Fawqa – außerhalb der von Israel definierten Sicherheitszone und einen Tag nach Unterzeichnung des Rahmenabkommens. Al Jazeera berichtete unter Berufung auf libanesische Quellen von einem Toten und einem Verletzten. Das israelische Militär bestätigte den Angriff und erklärte, Ziel sei eine Person gewesen, die eine Bedrohung für israelische Kräfte dargestellt habe. Der libanesische Präsident Joseph Aoun telefonierte daraufhin am Samstagabend mit Trump und bat die USA, Israel zur Einhaltung der Vereinbarung und zum Rückzug aus besetzten Gebieten zu drängen.

IAEA BESTEHT AUF INSPEKTIONEN – IRAN BLOCKIERT ZUGANG ZU BESCHÄDIGTEN STANDORTEN
IAEA-Generaldirektor Grossi erklärte am 24. Juni in Fukushima und am 26. Juni in Tokio, das Memorandum sehe Inspektionen „ausdrücklich“ vor; ein „sehr starkes Verifikationssystem“ sei nötig. Erste technische Kontakte mit iranischen Stellen hätten bereits stattgefunden. Irans stellvertretender Außenminister Gharibabadi widersprach: Es gebe keine Pläne für Zugang zu beschädigten Atomanlagen; dies werde „ausschließlich im Rahmen eines endgültigen Abkommens und nach praktischen Schritten zur Aufhebung aller Sanktionen“ geprüft. Grossi habe in der Schweiz kein Treffen mit iranischen Vertretern erhalten, „obwohl er darum gebeten“ habe. Der Inspektionsstreit aus dem letzten Update hat sich damit nicht aufgelöst, sondern verfestigt.

WEISSES HAUS BEANTRAGT 87,6 MILLIARDEN DOLLAR FÜR DEN KRIEG, DEN ES FÜR BEENDET ERKLÄRT
Am 24. Juni übermittelte das Weiße Haus dem Kongress einen Nachtragshaushalt über 87,6 Milliarden Dollar, davon 67,15 Milliarden für das Militär – darunter 21 Milliarden für Munition und industrielle Kapazitäten, 17,3 Milliarden für operative Kosten und 21,1 Milliarden für geheime Programme. Die Forderung wurde am selben Tag eingereicht, an dem der Senat die War-Powers-Resolution verabschiedet hatte. Senatorin Patty Murray nannte den Krieg einen „disastrous war of choice“; die demokratische Abgeordnete Rosa DeLauro erklärte, ihre Partei werde „tens of billions for Trump’s aimless war“ nicht mittragen. Treasury Secretary Bessent behauptete am 26. Juni, Rohöl liege bereits unter Vorkriegsniveau – Brent notierte tatsächlich bei rund 72 bis 75 Dollar, dem tiefsten Stand seit dem 27. Februar, mit einem Wochenverlust von über zehn Prozent.

DROHNENANGRIFF AUF IRANISCH-KURDISCHES OPPOSITIONSLAGER BEI ERBIL
Am 27. Juni wurde ein Lager einer iranisch-kurdischen Oppositionsgruppe nördlich von Erbil im Nordirak mit einer Explosivdrohne angegriffen. Nach Angaben von zwei Sicherheitsquellen gegenüber Reuters gab es keine Opfer; das Lager war zuvor evakuiert worden. Iran äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Im März hatte die US-Presse berichtet, das Weiße Haus prüfe Optionen zur Unterstützung kurdischer Oppositionsgruppen im Irak – im Kontext von Regime-Change-Überlegungen gegenüber Teheran. Die kurdische Autonomieregion im Irak beherbergt mehrere iranisch-kurdische Exilgruppen, die seit Beginn des Krieges wiederholt Ziel iranischer Drohnen- und Raketenangriffe waren.

ANALYSE

I. Vom Wortkrieg zum Feuerkrieg: Warum das Memorandum an der Routenfrage zerbricht

Der zentrale Befund dieser Woche ist nicht der Streit über Texte – den hatten wir im letzten Update -, sondern ein Kampf um physische Kontrolle über Seewege. Das Memorandum sieht „safe passage with no charge for 60 days“ vor, legt aber nicht fest, durch welchen Korridor. Iran erkennt nur die nördliche Route entlang seiner Küste an. Die IMO und CENTCOM betreiben einen südlichen Korridor entlang Omans, den Oman selbst mit autorisierten Wegpunkten versehen hat. Iran warnt Schiffe per Funk, zwingt sie zum Umkehren und schießt auf diejenigen, die trotzdem fahren. Die USA bombardieren daraufhin iranische Küstenstellungen. Beide Seiten berufen sich auf dasselbe Dokument – und beide führen ihre Angriffe als Verteidigung des Waffenstillstands. Die Eskalationssequenz dieser Woche – vier Schläge in drei Tagen – zeigt, dass die Lücke im Memorandum keine diplomatische Unschärfe war, sondern der Kriegsgrund ist. Nicht die Lesarten sind das Problem. Die fehlende Karte ist es.

II. Ein Abkommen ohne die Partei, die es umsetzen müsste

Das Rahmenabkommen zwischen Israel und dem Libanon wurde am 26. Juni in Washington unterzeichnet – ohne die Hisbollah, die weder Verhandlungspartei war noch an der Umsetzung mitwirken will. Qassem nennt es „null“; Fadlallah droht mit Bürgerkrieg; die Amal-Bewegung schließt sich an. Netanyahu feiert den Rückzug aus zwei Gebieten, die die IDF „nicht braucht“, und erklärt im selben Atemzug, die Pufferzone bleibe bestehen, bis die Hisbollah entwaffnet sei. Strukturell liegt ein Zirkelschluss vor: Israel zieht sich zurück, wenn die Hisbollah entwaffnet ist; die Hisbollah entwaffnet sich nicht, solange Israel nicht abzieht. Das Abkommen löst diesen Zirkel nicht – es dokumentiert ihn. Dass Israel sich nicht als Partei des US-Iran-Memorandums betrachtet, obwohl dieses ein Ende der Kämpfe „an allen Fronten, auch im Libanon“ vorsieht, verschärft den Befund: Das Memorandum hat für den Libanon keine Durchsetzungsmacht – und das Rahmenabkommen keine Umsetzungspartei.

III. Oman zwischen den Fronten: Der stille Schlüssel zur Nachkriegsordnung in Hormus

In 48 Stunden hat Oman zwei unvereinbare Erklärungen unterzeichnet – am Dienstag mit Iran ein Papier über „Dienstleistungen und damit verbundene Kosten“ in der Meerenge, am Donnerstag mit dem GCC eine Erklärung, die jede Gebühr ablehnt. Omanische Diplomaten sagen europäischen Amtskollegen, ein Zurück zum Vorkriegszustand sei unmöglich; sie stünden unter iranischem Druck. Ein iranisches Verhandlungsteammitglied bestätigte gegenüber Iran International, dass Teheran nach Ablauf der 60-Tage-Frist Gebühren erheben werde. Oman analysiert unterdessen das Malakka-Modell als Vorlage – dort gibt es keine Pflichtgebühren. Am 28. Juni empfängt Macron Sultan Haitham in Paris; Thema laut dem Élysée: „freie und bedingungslose Passage.“ Oman ist der Schlüsselakteur, den niemand benennt: Wenn Maskat bei Gebühren mitmacht, verschiebt sich die gesamte Nachkriegs-Maritimordnung am Persischen Golf. Wenn nicht, steht das Sultanat allein gegen seinen mächtigsten Anrainer. Die Entscheidung fällt nicht in Washington oder Teheran – sie fällt in Maskat.

IV. 87,6 Milliarden für einen beendeten Krieg

Am selben Tag, an dem der Senat erstmals in der Geschichte eine War-Powers-Resolution durch beide Kammern brachte, beantragte das Weiße Haus 87,6 Milliarden Dollar Nachtragshaushalt – überwiegend für den Krieg, den es offiziell für beendet erklärt hat. Washington erzählt derzeit drei Geschichten gleichzeitig: Der Krieg ist vorbei (Memorandum), der Krieg kostet 87,6 Milliarden (Nachtragshaushalt), der Krieg muss enden (War Powers). Alle drei sind innenpolitisch motiviert, und alle drei schließen sich gegenseitig aus. Die Forderung trifft auf eine republikanische Partei, in der vier Senatoren bereits gegen den eigenen Präsidenten gestimmt haben, und auf eine demokratische Opposition, die „billions for Trump’s aimless war“ öffentlich ablehnt. Parallel erklärt Treasury Secretary Bessent, Rohöl liege unter Vorkriegsniveau – während auf Hormus ein Supertanker mit zwei Millionen Barrel getroffen wird. Die 60-Tage-Frist des Memorandums läuft Mitte August ab, mitten in der heißen Phase der Midterm-Kampagnen. Die eigentliche Schwachstelle des Abkommens liegt damit dort, wo sie im letzten Update lag: nicht in Teheran, sondern in Washington.

STRATEGISCHE EINORDNUNG

Zwei Wochen nach Unterzeichnung des Memorandums wird nicht mehr über Texte gestritten – es wird geschossen. Vier Schläge in drei Tagen, ein zweiter Tanker getroffen, ein Golfstaat bombardiert, zwei US-Angriffswellen auf iranische Küstenstellungen. Der Libanon-Rahmen scheitert an der Partei, die ihn umsetzen müsste, und Oman steht vor einer Entscheidung, die die Nachkriegsordnung am Persischen Golf bestimmen wird. Während die Märkte Frieden einpreisen und Brent auf Vorkriegsniveau fällt, eskaliert der Konflikt um die Frage, die das Memorandum offenließ: Wer kontrolliert welchen Korridor – und zu welchem Preis. Die 60 Tage sind zum Countdown geworden, dessen Nullpunkt nicht auf dem Verhandlungstisch liegt, sondern auf dem Wasser.

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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

Quellenverzeichnis

  1. Al Jazeera, 27. Juni 2026 – US launches second night of strikes against Iran after ship struck by drone: https://www.aljazeera.com/news/2026/6/27/us-launches-second-night-of-strikes-against-iran-after-ship-struck-by-drone
  2. NBC News, 27. Juni 2026 – Iran says it has struck U.S.-linked targets as tensions flare up over Hormuz: https://www.nbcnews.com/news/us-news/us-launches-strikes-iran-attack-ship-strait-hormuz-rcna351992
  3. CNN, 27. Juni 2026 – Live updates: US launches more strikes against Iran: https://www.cnn.com/2026/06/27/world/live-news/iran-war-strikes-trump
  4. Fox News, 27. Juni 2026 – Bahrain targeted by Iranian drones / US launches additional strikes on Iran: https://www.foxnews.com/live-news/iran-war-strait-of-hormuz-drones-bahrain-israel-lebanon-june-27-2026
  5. Seatrade Maritime, 27. Juni 2026 – Tanker hit in Hormuz, threat level raised (Kiku, 300.866 dwt, 2 Mio. Barrel): https://www.seatrade-maritime.com/security/tanker-hit-in-hormuz-threat-level-raised
  6. Windward Maritime AI, 25. Juni 2026 – IRGC Orders Vessels to Turn Back: The Southern Corridor Reversal: https://windward.ai/blog/irgc-turn-back-order-stalls-strait-of-hormuz-recovery/
  7. NPR, 26. Juni 2026 – UN agency pauses evacuation of ships through Strait of Hormuz after attack on vessel: https://www.npr.org/2026/06/26/nx-s1-5871963/un-agency-pauses-evacuation-of-ships-through-strait-of-hormuz-after-attack-vessel
  8. Euronews, 27. Juni 2026 – Eskalation an der Hormus-Passage: USA starten neue Angriffe auf Iran: https://de.euronews.com/2026/06/27/attacke-frachtschiff-hormus-passage-usa-greifen-iran-wieder-an
  9. Bloomberg via The Edge Singapore, 26. Juni 2026 – Oman tells allies ships may have to pay to go through Hormuz: https://www.theedgesingapore.com/news/geopolitics/oman-tells-allies-ships-may-have-pay-go-through-hormuz–bloomberg
  10. Outlook India, 24. Juni 2026 – Oman and Iran agree to discuss navigation fees, management of Hormuz: https://www.outlookindia.com/international/oman-iran-agree-to-discuss-navigation-fees-management-of-hormuz
  11. Oman Observer, 26. Juni 2026 – HM the Sultan to pay official visit to France on Sunday: https://www.omanobserver.om/article/1191859/oman/hm-the-sultan-to-pay-official-visit-to-france-on-sunday
  12. Axios, 26. Juni 2026 – Israel and Lebanon sign framework agreement: https://www.axios.com/2026/06/26/israel-lebanon-framework-agreement-hezbollah
  13. Al Jazeera, 26. Juni 2026 – What is the framework agreement signed by Israel and Lebanon?: https://www.aljazeera.com/news/2026/6/26/what-is-the-framework-agreement-signed-by-israel-and-lebanon
  14. CNN, 26. Juni 2026 – Israel to withdraw from two areas in Lebanon under newly signed agreement: https://www.cnn.com/2026/06/26/middleeast/israel-and-lebanon-sign-framework-agreement-latam-intl
  15. Times of Israel, 26. Juni 2026 – Israel and Lebanon ink framework deal for ending conflict: https://www.timesofisrael.com/israel-and-lebanon-ink-framework-deal-for-minor-idf-withdrawal-after-4-days-of-dc-talks/
  16. t-online, 27. Juni 2026 – Israel und der Libanon schließen Abkommen – viele Hürden: https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_101315854/israel-und-der-libanon-schliessen-abkommen-viele-huerden.html
  17. Al Jazeera, 24. Juni 2026 – UN nuclear chief says Iran inspections will happen, Tehran says after deal: https://www.aljazeera.com/news/2026/6/24/un-nuclear-chief-says-iran-inspections-will-happen-tehran-says-after-deal
  18. NPR, 24. Juni 2026 – Dispute widens over Iran nuclear inspections: https://www.npr.org/2026/06/24/g-s1-129770/iran-nuclear-inspection
  19. Al Jazeera, 26. Juni 2026 – IAEA demands strong verification of Iran’s nuclear programme: https://www.aljazeera.com/news/2026/6/26/iaea-demands-strong-verification-of-irans-nuclear-programme
  20. CNBC, 24. Juni 2026 – White House requests $87.6 billion supplemental spending for Iran war, farm aid: https://www.cnbc.com/2026/06/24/iran-war-supplemental-trump-congress.html
  21. Al Jazeera, 24. Juni 2026 – Trump White House requests $87.6bn in spending, including for Iran war: https://www.aljazeera.com/news/2026/6/24/trump-white-house-requests-87-6bn-in-spending-including-for-iran-war
  22. Al Arabiya, 27. Juni 2026 – Bahrain condemns Iranian drone attacks on its territory: https://english.alarabiya.net/amp/News/gulf/2026/06/27/bahrain-condemns-iranian-drone-attacks-on-its-territory
  23. Middle East Eye, 27. Juni 2026 – Drone targets Iranian Kurdish opposition camp in Iraq: https://www.middleeasteye.net/live-blog/live-blog-update/drone-targets-iranian-kurdish-opposition-camp-iraq-reuters-reports
  24. Geneva Solutions, 26. Juni 2026 – Iran wants to charge fees on Hormuz passage. What impacts could that have?: https://genevasolutions.news/peace-humanitarian/iran-wants-to-charge-fees-on-hormuz-passage-what-impacts-could-that-have
  25. Fox News, 26. Juni 2026 – Iran negotiation team member confirms fees after 60-day suspension (Hossein Ghorbanzadeh): https://www.foxnews.com/live-news/iran-drone-strait-of-hormuz-israel-lebanon-conflict-june-26-2026
  26. Michael Hollister – Iran Insight: Bodentruppen und das Doppelschloss (29. März 2026): https://www.michael-hollister.com/de/2026/03/29/iran-insight-bodentruppen-und-das-doppelschloss/?utm_source=substack&utm_medium=Update&utm_campaign=2806

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