3M22 Zirkon – SS-N-33
Stand: 29.05.2026

Quelle: Минобороны РФ, CC BY 4.0
Die 3M22 Zirkon (russisch: Tsirkon, NATO-Code SS-N-33) ist ein russischer seegestützter Hyperschall-Marschflugkörper. Sie wurde am 4. Januar 2023 in den Dienst der russischen Marine gestellt und ist primär als Anti-Schiff-Waffe konzipiert, kann aber auch Landziele bekämpfen. Erstausstattung war die Fregatte Admiral Gorschkow der Projekt-22350-Klasse; weitere Trägerplattformen sind nach russischen Angaben Atom-U-Boote der Jasen-Klasse, gestartet aus dem universellen UKSK-Vertikalstartsystem. Eine landgestützte Variante befindet sich nach russischen Angaben in Entwicklung.
Anders als die Iskander, Oreschnik oder Kinschal – sämtlich ballistische Raketen, deren Sprengköpfe im Wiedereintritt zwangsläufig Hyperschallgeschwindigkeit erreichen – fliegt die Zirkon anhaltend in der Atmosphäre mit Hyperschallgeschwindigkeit. Das ist technisch anspruchsvoller und beruht auf einem zweistufigen Antrieb: Eine Feststoff-Boosterstufe beschleunigt die Rakete auf Überschallgeschwindigkeit, dann zündet ein Scramjet (Supersonic Combustion Ramjet), der mit flüssigem Treibstoff (russische Eigenangabe: Detsilin-M) eingehende Luft auf hohem Druck verbrennt und anhaltend Hyperschallgeschwindigkeit liefert. Genau diese Kombination – Marschflugkörper-Profil mit anhaltendem Atmosphären-Hyperschall – ist der eigentliche technologische Sprung gegenüber bestehenden Anti-Schiff-Raketen wie der P-800 Oniks oder der Kalibr.

Quelle: Mil.ru, CC BY 4.0
Die Reichweitenangaben spreizen sich entsprechend stark, je nach Quelle: Westliche Schätzungen gehen von 500 Kilometern im Tiefflug und bis zu 750 Kilometern auf semi-ballistischer Bahn aus, während russische Staatsmedien 1.000 Kilometer angeben. Bei der Geschwindigkeit nennen russische Quellen Mach 8 (Test 2017) bis Mach 9 (Putin, 2019); das japanische National Institute for Defense Studies spricht konservativer von „über Mach 5″. Damit ist die belastbare öffentliche Datenlage für eine Waffe, die seit drei Jahren operativ ist, bemerkenswert dünn – das gilt sowohl für Leistungsparameter als auch für Stückzahlen und Stückkosten (inoffizielle westliche Schätzungen sprechen von bis zu 10 Millionen US-Dollar pro Schuss, ohne dass Russland dies bestätigt oder dementiert hat).

Politisch ist die Zirkon Russlands Antwort auf die strategische Bedeutung der US-Trägerverbände. Moskau präsentiert sie als Waffe, die selbst hochwertige NATO-Marineverbände in Reichweite bringen kann – eine Botschaft, die durch die kurze Reaktionszeit der Verteidigung wegen der hohen Geschwindigkeit Gewicht erhält. Im Februar 2023 berichteten ukrainische Stellen von Trümmerteilen einer Zirkon – den ersten dokumentierten Kampfeinsatz, allerdings nicht im seegestützten Anti-Schiff-Modus, sondern als Landangriffswaffe gegen die Ukraine.
Was die Zirkon nicht ist: keine „unbesiegbare Wunderwaffe“, wie russische Staatsmedien sie bewerben. Ob die Rakete in der Praxis die Wirkung erzielt, die Russland behauptet, hängt von Sensorik, Stückzahl, Zielerfassung und gegnerischer Luftverteidigung ab – alles Faktoren, zu denen öffentlich keine belastbaren Daten vorliegen. Die einzige unabhängige Bestätigung der Existenz im Kampfeinsatz sind bislang Trümmerauswertungen.

Einsatzhistorie und Stationierung
Oktober 2021 – Erste erfolgreiche Tests vom Atom-U-Boot K-560 Severodvinsk; zuerst aus aufgetauchter Position in der Barentssee, einen Tag später aus getauchter Position in der Weißen See gegen ein Ziel in der Barentssee.
4. Januar 2023 – Indienststellung; Erstausstattung der Fregatte Admiral Gorschkow (Projekt 22350).
Februar 2023 – Erster dokumentierter Kampfeinsatz nach ukrainischen Berichten anhand von Trümmerauswertung; eingesetzt gegen Landziele in der Ukraine, nicht im ursprünglich vorgesehenen seegestützten Anti-Schiff-Modus.
24. Mai 2026 – Teil eines kombinierten Großangriffs auf den Raum Kiew zusammen mit Oreschnik, Iskander und Kinschal (nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums, nicht unabhängig verifiziert).

Weiterführende Quellen
3M22 Zircon – Missile Defense Advocacy Alliance Technische Hauptreferenz: Klassifikation, Reichweiten- und Geschwindigkeitsschätzungen, Einordnung als Anti-Schiff-Waffe, Trägerplattformen.
Russia Launches Zircon Hypersonic Missiles from Submarine – CSIS Missile Threat, Oktober 2021 CSIS-Meldung zu den ersten erfolgreichen U-Boot-Tests von der Severodvinsk; bestätigt Scramjet-Antrieb und U-Boot-Tauglichkeit.
Hypersonic Weapons of the U.S., China, and Russia: Implications for Global Security – NIDS Japan, 2024 Japanisches National Institute for Defense Studies; nüchterne unabhängige Einordnung von Reichweite und Geschwindigkeit.
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