Ein Nachbar in Auflösung:

Myanmars Zerfall geschieht nicht im luftleeren Raum – er trifft Thailand direkt.
Zwischen Flüchtlingsströmen, Grenzkriminalität und geopolitischem Druck laviert Bangkok zwischen humanitärer Verantwortung, wirtschaftlichen Abhängigkeiten und chinesischer Dominanz. Während ASEAN handlungsunfähig bleibt, wird Thailand zunehmend zum Frontstaat eines regionalen Ordnungsversagens.

Myanmars Zerfall und die geopolitische Zwickmühle Thailands

von Michael Hollister
Exklusive Veröffentlichung nur bei Michael Hollister am 25.01.2026

2.322 Wörter * 12 Minuten Lesezeit

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Im Dezember 2025 schloss Thailand mehrere Grenzübergänge zu Myanmar – offiziell wegen „Sicherheitsbedenken“. Doch gleichzeitig blieben ausgewählte Transitrouten für den Güterverkehr geöffnet. Diese selektive Grenzpolitik ist symptomatisch für Bangkoks Dilemma: Einerseits wächst der innenpolitische Druck, den Kollaps Myanmars nicht länger einfach zu absorbieren – Flüchtlingsströme, Drogenhandel, bewaffnete Gruppen. Andererseits ist Thailand tief in regionale Lieferketten eingebunden, die letztlich chinesischen Interessen dienen.

Was auf den ersten Blick wie pragmatisches Krisenmanagement aussieht, offenbart bei genauerem Hinsehen eine viel grundlegendere Schwäche: Südostasien hat keine Antwort auf Myanmars Zerfall. ASEAN ist gelähmt, China agiert als stiller Ordnungsfaktor – und Thailand laviert zwischen beiden Polen, ohne wirklich steuern zu können.

Zeitgleich zeigte sich diese Dynamik auch an anderer Stelle: Als im Dezember 2025 die Spannungen zwischen Thailand und Kambodscha eskalierten, blieb Chinas Reaktion auffällig zurückhaltend. Ob Bangkoks Grenzschließungen zu Myanmar auch als indirektes Druckmittel in diesem Konflikt dienten, bleibt spekulativ – aber es unterstreicht, wie eng Grenzsicherheit, Handelsströme und chinesische Interessen in Festland-Südostasien miteinander verwoben sind.

Myanmar ist nicht der einzige Brandherd an Thailands Grenzen – aber der, der die strukturellen Schwächen der Region am deutlichsten offenlegt.

Der lange Zerfall: Myanmar nach dem Putsch

Als das myanmarische Militär am 1. Februar 2021 die Regierung der Nationalen Liga für Demokratie unter Aung San Suu Kyi entmachtete, reagierte die Bevölkerung zunächst mit Massendemonstrationen und zivilem Ungehorsam. Doch was als Protestbewegung begann, entwickelte sich rasch zu einem bewaffneten, multipolaren Konflikt mit zunehmend staatszersetzender Wirkung.

Seit dem Putsch sind nach Schätzungen internationaler Organisationen über 50.000 Menschen getötet worden – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Mehr als 2,6 Millionen Menschen sind innerhalb Myanmars auf der Flucht, weitere 1,2 Millionen haben das Land verlassen. Die Wirtschaft ist kollabiert: Die Währung Kyat verlor seit 2021 über 60 Prozent ihres Wertes, die Inflation liegt bei über 30 Prozent, und die Armutsrate hat sich nahezu verdoppelt.

Inzwischen kämpfen über ein Dutzend bewaffnete Gruppierungen in unterschiedlichen Allianzen gegen die Militärjunta – darunter ethnische Armeen mit jahrzehntelanger Guerillaerfahrung wie die Kachin Independence Army, die Arakan Army oder die Ta’ang National Liberation Army. Hinzu kommen neu entstandene Volksverteidigungskräfte (People’s Defence Forces, PDF), die lose der im Exil agierenden National Unity Government (NUG) nahestehen.

Dieser Konflikt kennt keine Fronten im klassischen Sinne. Die Junta kontrolliert zwar nach wie vor die Hauptstadt Naypyidaw sowie Teile der urbanen Zentren, doch weite Landesteile – insbesondere in Grenzregionen – entziehen sich dauerhaft ihrer Autorität. Öffentliche Gesundheitsversorgung, Bildung, Verwaltungswesen sind vielerorts nur noch rudimentär vorhanden oder durch lokale Milizen ersetzt.

Myanmar ist damit kein „gescheiterter Staat“ im klassischen Sinne – aber ein territorial zersplittertes Gebilde mit schwindender Zentralmacht und wachsendem Einfluss nichtstaatlicher Akteure. Und genau das macht den Konflikt so gefährlich für die Region: Er ist nicht eindämmbar. Er sickert über – nach Thailand, nach China, nach Laos, nach Indien.

ASEANs Versagen: Der Fünf-Punkte-Konsens und seine Grenzen

Als Reaktion auf den Militärputsch präsentierte die ASEAN im April 2021 in Jakarta ihren sogenannten Fünf-Punkte-Konsens – eine diplomatische Blaupause zur Stabilisierung Myanmars. Die Vorschläge reichten von einem sofortigen Ende der Gewalt über Dialog zwischen allen Parteien bis hin zur Entsendung eines ASEAN-Sondergesandten.

Die Junta in Naypyidaw zeigte sich zwar öffentlich kooperationsbereit, unterlief aber faktisch jeden einzelnen Punkt. Gewalt eskalierte weiter, Dialog fand nicht statt – Oppositionsführer wurden inhaftiert oder ins Exil gezwungen. Der Sondergesandte durfte weder alle Konfliktparteien treffen noch frei reisen. Humanitäre Hilfe blieb weitgehend blockiert.

Das Problem liegt in ASEANs institutioneller Architektur: Der Grundsatz der Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten mag historisch zur regionalen Stabilität beigetragen haben, wirkt im Fall Myanmar jedoch als selbstauferlegter Handlungsrahmen ohne Durchsetzungsmechanismen. Sanktionen sind institutionell nicht vorgesehen, Suspendierung politisch kaum konsensfähig.

Hinzu kommt die Zersplitterung innerhalb der ASEAN-Mitglieder:

  • Staaten wie Malaysia, Indonesien oder die Philippinen fordern eine härtere Gangart gegenüber der Junta, inklusive direkter Gespräche mit der im Exil agierenden National Unity Government (NUG).
  • Andere wie Thailand, Kambodscha oder Laos setzen auf stille Diplomatie, wirtschaftliche Koexistenz oder offene Nähe zur Junta – teils aus geopolitischem Kalkül, teils aus innenpolitischer Vorsicht.

Das Resultat: ASEAN ist nicht nur blockiert, sondern zunehmend als Vermittler unglaubwürdig. Ihre Gipfeltreffen produzieren Erklärungen ohne Wirkung. Myanmar bleibt Mitglied – und bleibt gleichzeitig unkontrollierbar.

Während ASEAN sich selbst lähmt, besetzen andere Akteure das entstandene Vakuum. China sichert seine Infrastruktur und Rohstoffinteressen, westliche Staaten verhängen symbolische Sanktionen ohne strategisches Engagement, die UNO bleibt Beobachterin ohne Einfluss. ASEAN steht damit exemplarisch für eine geopolitische Realität: Normative Ordnung weicht pragmatischer Einflusslogik.

Thailand im Korridordruck: Grenzsicherheit vs. Großmachtinteressen

Kaum ein anderes Land ist so direkt vom Zusammenbruch Myanmars betroffen wie Thailand. Die beiden Staaten teilen eine über 2.400 Kilometer lange Grenze – größtenteils unwegsames, bewaldetes Terrain, durchzogen von Schmuggelrouten und vergessenen Außenposten. Was offiziell eine bilaterale Trennlinie sein sollte, ist de facto ein hochdurchlässiger, fragmentierter Zwischenraum.

Seit dem Putsch hat sich dieser Grenzraum zum Brennpunkt multipler Krisenlagen entwickelt. Täglich gelangen Flüchtlinge, irreguläre Arbeitsmigranten, Waffen, Drogen und zunehmend auch digitale Kriminalitätsnetzwerke über die grüne Grenze. Allein 2023 meldeten thailändische Behörden über 500.000 irreguläre Grenzübertritte aus Myanmar – Tendenz steigend.

Die Grenzschließungen im Dezember 2025 illustrieren Thailands Dilemma prägnant: Einerseits gibt es ein legitimes sicherheitspolitisches Interesse, die territoriale Integrität zu schützen und den massenhaften Zustrom zu kontrollieren. Andererseits ist Thailand tief in regionale Lieferketten eingebunden – insbesondere im Grenzhandel mit Myanmar, aber auch in transnationalen Infrastrukturprojekten.

Ein besonders heikler Punkt: Die China–Myanmar Economic Corridor (CMEC)-Initiative, die über Myanmars Territorium chinesischen Zugang zum Indischen Ozean ermöglicht, ist auf thailändische Transitoptionen und logistische Anschlussfähigkeit angewiesen. Jede harte Grenzschließung würde damit auch Chinas Interessen treffen – und das in einer Phase, in der Thailand wirtschaftlich eng mit Peking verflochten ist.

Gleichzeitig wächst der Druck von westlicher Seite: Die USA – traditionell Sicherheitsgarant und Verbündeter im asiatisch-pazifischen Raum – drängen auf stärkere Abschottung gegenüber der Junta, insbesondere bei militärischer Kooperation und sicherheitsrelevanter Infrastruktur. Thailand steht somit zwischen den Fronten zweier geopolitischer Ordnungsmodelle – und laviert wie so oft pragmatisch in der Mitte.

Im Grenzgebiet selbst herrscht indes ein Zustand chronischer Anspannung. In Mae Sot und Mae Sai operieren NGOs unter schwierigsten Bedingungen, Sicherheitskräfte müssen zwischen humanitärer Verantwortung und Anti-Schmuggeloperationen abwägen, lokale Verwaltungen stehen unter wirtschaftlichem und politischem Druck.

Thailand hat bisher auf einen doppelten Weg gesetzt: stille Diplomatie gegenüber der Junta, wirtschaftliche Kooperation im Verborgenen – und punktuelle Abschottung bei sicherheitsrelevanten Bedrohungslagen. Doch dieser Kurs wird zunehmend fragil: Je länger Myanmar kollabiert, desto stärker wird Thailand zum Frontstaat eines regionalen Ordnungsproblems.

Chinas stille Dominanz: Pipelines, Kyaukphyu und strategische Tiefe

Während ASEAN ringt und der Westen zaudert, hat China längst Fakten geschaffen. Kaum ein externes Land ist so tief mit Myanmars wirtschaftlicher Infrastruktur und strategischer Ausrichtung verwoben wie die Volksrepublik – und das nicht erst seit dem Putsch, sondern im Rahmen einer langfristigen Agenda.

Im Zentrum dieser Strategie steht der China–Myanmar Economic Corridor (CMEC) – ein Schlüsselprojekt im Kontext der chinesischen Belt and Road Initiative (BRI). Herzstück ist der Tiefseehafen Kyaukphyu im Rakhine State, verbunden über Pipeline- und Straßenachsen mit der südwestchinesischen Provinz Yunnan. Durch diese Verbindung sichert sich China einen direkten Zugang zum Indischen Ozean, ohne auf den geopolitisch verwundbaren Engpass der Straße von Malakka angewiesen zu sein.

Die beiden Pipelines – eine für Rohöl, eine für Erdgas – transportieren täglich Energie direkt nach China. Auch wenn der Anteil am chinesischen Gesamtbedarf vergleichsweise gering ist, liegt die Bedeutung in der strategischen Diversifikation: Myanmar ist Chinas Notausgang bei einer möglichen Blockade durch westliche Seemächte. Kyaukphyu ist mehr als ein Hafen – es ist ein geopolitisches Ventil.

Doch Chinas Einfluss beschränkt sich nicht auf Infrastruktur. Peking hat sich durch gezielte Investitionen, stille Diplomatie und selektive Unterstützung lokaler Machthaber eine kaum angreifbare Position geschaffen. In Regionen, in denen die Junta schwächelt, kooperiert China mit lokalen Milizen – etwa im Shan-Staat, wo seltene Erden gefördert werden, die für Chinas Hightech-Industrie unersetzlich sind. Die Arakan Army, United Wa State Army oder lokale Wirtschaftsakteure agieren zunehmend als informelle Partner Chinas.

Bemerkenswert: China stationiert keine Truppen, verhängt keine Sanktionen, droht nicht. Stattdessen setzt es auf ökonomische Abhängigkeit, politische Geduld und diplomatische Stabilitätssicherung – immer entlang der eigenen Interessen. Die Junta wiederum weiß, dass ihre internationale Isolation nur durch Chinas Wohlwollen abgemildert wird.

Diese stille Dominanz hat Folgen:

  • Sie stabilisiert die Junta indirekt, auch wenn sie formal nicht verteidigt wird.
  • Sie blockiert internationale Sanktionseffekte, da China als Abnehmer von Rohstoffen, Holz und strategischen Materialien erhalten bleibt.
  • Und sie hemmt ASEAN, da kein Mitgliedsstaat die Interessen Pekings offen konfrontieren will – aus Angst vor wirtschaftlichen Konsequenzen.

Im Schatten des Konflikts hat China somit erreicht, was vielen Großmächten verwehrt bleibt: eine strategische Tiefenverankerung ohne offene Präsenz. Myanmar ist kein Vasall – aber es ist Teil einer chinesischen Pufferzone, die weit über Territorialfragen hinausreicht.

Indiens stiller Balanceakt: Act East zwischen Pragmatismus und Prinzipien

Während China seinen Einfluss in Myanmar ausbaut, agiert Indien zunehmend in einem Spannungsfeld zwischen geopolitischen Interessen und demokratischen Prinzipien. Über 1.600 Kilometer Grenze teilt Indien mit Myanmar – und damit auch unmittelbare Sicherheitsrisiken: Aufständische Gruppen aus dem indischen Nordosten haben historisch Rückzugsräume in Myanmar genutzt, Waffenschmuggel und irreguläre Migration sind anhaltende Probleme.

Gleichzeitig ist Myanmar ein zentraler Baustein von Indiens „Act East Policy“, die darauf abzielt, die wirtschaftliche und strategische Präsenz in Südostasien zu stärken – nicht zuletzt als Gegengewicht zu Chinas wachsendem Einfluss. Projekte wie der Kaladan Multi-Modal Transit Transport Project, der den indischen Nordosten über Myanmar mit dem Hafen Sittwe verbinden soll, stehen symbolisch für Neu-Delhis regionale Ambitionen.

Nach dem Putsch 2021 stand Indien vor einem Dilemma: Einerseits verurteilte die Regierung Modi die Gewalt und mahnte zur Rückkehr zur Demokratie. Andererseits hielt Neu-Delhi die diplomatischen und wirtschaftlichen Kanäle zur Junta offen – aus Sorge, dass ein kompletter Rückzug Myanmar vollständig in Chinas Orbit drängen würde.

Diese Haltung wurde intern und international kritisiert, spiegelt aber Indiens realpolitische Kalkulation wider: Stabilität in Myanmar ist wichtiger als demokratische Prinzipien, wenn es darum geht, chinesischen Einfluss zu begrenzen. Indien lieferte weiterhin militärische Ausrüstung an die Junta und hielt hochrangige Kontakte aufrecht – während es gleichzeitig über 60.000 Flüchtlinge aus Myanmar aufnahm, darunter viele aus der demokratischen Bewegung.

Ein weiterer Faktor ist die Rohingya-Frage: Indien betrachtet die muslimische Minderheit aus Myanmar zunehmend als Sicherheitsrisiko und hat eine restriktive Flüchtlingspolitik verfolgt. Diese Haltung hat Neu-Delhi von westlichen Demokratien entfremdet, aber näher an die Junta herangeführt, die ebenfalls kein Interesse an internationaler Rechenschaft für die Rohingya-Verfolgung hat.

Indiens Myanmar-Politik ist somit Ausdruck eines größeren Musters: Pragmatismus vor Prinzipien, wenn es um regionale Einflussnahme geht. Doch dieser Ansatz stößt an Grenzen – je mehr Myanmar zerfällt, desto weniger kann Indien auf einen stabilen Partner setzen. Die Frage ist, ob Neu-Delhi rechtzeitig erkennt, dass stille Komplizenschaft mit der Junta langfristig weder Stabilität noch Einfluss sichert.

Fazit & Ausblick: Zwischen Ordnungsverfall und pragmatischen Notwendigkeiten

Myanmars Zerfall ist längst mehr als ein nationaler Krisenherd. Der schleichende Zusammenbruch des Landes destabilisiert Nachbarregionen, untergräbt multilaterale Ordnungsprinzipien und verschiebt Machtgleichgewichte. Was als Reaktion auf einen Militärputsch begann, ist heute ein multipler Systemkollaps – politisch, institutionell, humanitär und geopolitisch.

ASEAN hat in dieser Krise seine Grenzen offengelegt. Der Fünf-Punkte-Konsens erwies sich als wirkungslos, das Prinzip der Nichteinmischung als institutionelle Fessel. Myanmar entblößt die Unfähigkeit Südostasiens, auf existenzielle Ordnungsbrüche geschlossen zu reagieren. Die Frage ist nicht mehr, ob ASEAN noch handeln kann – sondern, ob sie bereit ist, ihre Grundprinzipien zu überdenken.

Thailand steht exemplarisch für das regionale Dilemma: zwischen moralischer Verantwortung und geopolitischer Rücksichtnahme, zwischen Grenzschutz und Handelsinteressen, zwischen amerikanischem Druck und chinesischer Dominanz. Das Lavieren mag kurzfristig stabilisieren – aber es verhindert eine strategische Positionierung, die über das bloße Verwalten von Risiken hinausgeht.

Gleichzeitig festigt China seine Rolle als stiller Ordnungsfaktor. Ohne militärisch präsent zu sein, verankert sich Peking in den wirtschaftlichen Adern und den politischen Schattenräumen Myanmars. Indien wiederum versucht einen Balanceakt zwischen Pragmatismus und Prinzipien – mit begrenztem Erfolg.

Was realistisch getan werden könnte:

Für ASEAN:

  • Direkte Gespräche mit der NUG ermöglichen, ohne die Junta formal anzuerkennen – als paralleler Dialogkanal
  • Humanitäre Korridore durchsetzen, notfalls durch bilaterale Abkommen einzelner Mitgliedsstaaten
  • Einen „ASEAN Myanmar Contact Group“ einrichten mit rotierendem Mandat, um den blockierten Sondergesandten zu ersetzen

Für Thailand:

  • Grenzmanagement professionalisieren: Trennung zwischen humanitärer Aufnahme und Sicherheitsoperationen
  • Transparenz bei Transit-Regelungen schaffen, um nicht als stiller Komplize chinesischer oder Junta-Interessen wahrgenommen zu werden
  • Regionale Flüchtlingslast mit ASEAN-Partnern teilen – durch formalisierte Quotenregelungen

Für China:

  • Peking könnte seine wirtschaftliche Hebelwirkung nutzen, um die Junta zu begrenzten Reformen zu drängen – zumindest zur Eindämmung der humanitären Katastrophe
  • Unterstützung lokaler Waffenstillstände in Regionen mit chinesischen Infrastrukturprojekten

Für Indien:

  • Neu-Delhi sollte seine Unterstützung für die Junta überdenken und stattdessen auf lokale Akteure setzen, die langfristig stabiler sein könnten
  • Humanitäre Korridore für Flüchtlinge öffnen, ohne diese als Sicherheitsbedrohung zu stigmatisieren

Keiner dieser Schritte wird Myanmar kurzfristig stabilisieren. Aber sie könnten verhindern, dass der Zerfall sich weiter beschleunigt – und dass Südostasien vollständig zur geopolitischen Spielwiese externer Mächte wird.

Die Zeit für symbolische Gesten ist vorbei. Myanmar ist der Lackmustest – und die Region steht vor der Wahl, ob sie gestalten oder nur noch verwalten will.

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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com , bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

Quellenliste

  1. ASEAN & Myanmar – Friedensplan, Konsens und Realität
  2. Grenzlage, Schmuggel & Kriminalität (Thailand–Myanmar)
  3. Betrug, Menschenhandel & Auswirkungen auf Thailand
  4. Aktuelle politische Lage & Wahlen in Myanmar

© Michael Hollister – Die Weitergabe, Veröffentlichung oder Nutzung dieses Textes ist nur nach vorheriger Absprache gestattet.
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