Eine Timeline verdeckter Verstrickungen (1960-2026)
von Michael Hollister
Exklusive Veröffentlichung nur bei Michael Hollister am 25.01.2026
3.177 Wörter * 26 Minuten Lesezeit

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Die Vereinigten Staaten präsentieren sich weltweit als Bollwerk gegen den internationalen Drogenhandel. Mit hochmodernen Überwachungssystemen, Eliteeinheiten und geheimdienstlicher Raffinesse inszeniert Washington Jahr für Jahr den Kampf gegen Kartelle, Schmuggler und Produzenten. Und wer, wenn nicht die CIA, sollte besser geeignet sein, um den Drogenschmugglern das Handwerk zu legen? Schließlich handelt es sich hier um den wohl diskretesten, effizientesten und loyalsten Geheimdienst der freien Welt.
Oder etwa nicht?
Die folgende Timeline versammelt historische und aktuelle Ereignisse, die ein anderes Bild zeichnen: von systematischer Toleranz über indirekte Beteiligung bis hin zur aktiven Nutzung von Drogennetzwerken durch US-Geheimdienste – über sechs Jahrzehnte hinweg. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wohl aber auf Kontext.
Denn wer die Muster erkennt, versteht: Der „War on Drugs“ war nie nur ein Krieg gegen Drogen. Er war immer auch ein Krieg um Kontrolle, Finanzierung und geopolitische Macht. Und manchmal schreit der Dieb am lautesten: „Haltet den Dieb!“
Timeline: Von Vietnam bis Venezuela – CIA, Drogen und geopolitische Interessen
1960–1975: Das Goldene Dreieck – Air America und der Heroinboom
Während des Vietnamkriegs boomt der Opium- und Heroinhandel im Goldenen Dreieck – jener Region zwischen Myanmar, Laos und Thailand, die bis heute als bedeutender Ursprung des globalen Heroinmarkts gilt. Der CIA nutzt lokale Milizen und paramilitärische Gruppen für verdeckte Operationen gegen kommunistische Kräfte – und toleriert dabei systematisch deren Drogengeschäfte.
Das konkreteste Beispiel: Air America, eine offiziell zivile Fluglinie, die in Wahrheit als CIA-Tarnorganisation operiert. Unter dem Deckmantel humanitärer Transporte fliegt Air America Waffen zu antikommunistischen Hmong-Milizen in den laotischen Bergen – und im Gegenzug Rohopium aus den Anbaugebieten aus. Das Opium wird später in saigonischen Labors zu Heroin verarbeitet und in die USA exportiert.
Der Historiker Alfred W. McCoy dokumentiert diese Verstrickungen in seinem Standardwerk „The Politics of Heroin in Southeast Asia“ (1972, aktualisiert 2003). McCoy belegt anhand interner Berichte und Zeugenaussagen, dass Air America teils direkt, teils durch geduldete Kooperation mit Zwischenhändlern zum Transportnetzwerk des Drogenexports wurde. In der Region Long Tieng etablierte General Vang Pao mit amerikanischer Rückendeckung ein weitreichendes, milizenbasiertes Opiumsystem.
„CIA contract aircraft flew opium out of the Hmong hills in Laos, while providing weapons and supplies to the tribal armies that protected the poppy fields.“
— Alfred W. McCoy, The Politics of Heroin, 2003, S. 163
Die Folge: Eine Explosion der Heroinproduktion. Bereits 1971 stammen 70 Prozent des weltweiten illegalen Heroins aus Südostasien.
Bedeutung: Dies ist das erste strukturell nachweisbare Muster, bei dem strategische Interessen (Bekämpfung des Kommunismus) über die Drogenbekämpfung gestellt wurden. Der CIA duldete nicht nur den Drogenhandel – er nutzte ihn als logistisches und finanzielles Element verdeckter Operationen.
Was bleibt vom „War on Drugs“, wenn man die Muster erkennt?
Dieses exklusive Add-On legt offen, wie Drogenhandel über Jahrzehnte nicht bekämpft, sondern strategisch toleriert, genutzt oder instrumentalisiert wurde – von Vietnam über Afghanistan bis Venezuela. Keine Thesen, kein Moraltheater, sondern eine faktenbasierte Timeline aus Primärquellen, Zahlen und bestätigten Untersuchungen. Wer verstehen will, wie Machtpolitik hinter moralischer Rhetorik funktioniert – und warum der Drogenkrieg nie das war, was er vorgab zu sein –, kommt an diesem Text nicht vorbei.
Michael Hollister
war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com ,
bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com
sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.
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