von Michael Hollister
Exklusive Veröffentlichung nur bei Michael Hollister am 01.03.2026
2.698 Wörter * 14 Minuten Lesezeit

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Die Ukraine-Verhandlungen laufen – und Europa sitzt auf der Tribüne
Zwei Sätze, die alles sagen
Dezember 2025, Weißes Haus: Donald Trump erklärt den Ukraine-Friedensprozess für „95 Prozent fertig“. Genf, 18. Februar 2026: Die dritte Runde der trilateralen Verhandlungen zwischen den USA, der Ukraine und Russland bricht nach zwei Stunden ab. Eine Quelle aus dem Umfeld der ukrainischen Regierung, die gegenüber ABC News anonym bleibt, beschreibt die Lage nüchtern: „Die letzten 5 Prozent sind der gesamte Inhalt. Nichts davon ist abgestimmt.“ Und dann, noch schärfer: „Vergiss die 5 Prozent – Russland stimmt nicht mal den 95 Prozent zu.“
Gleichzeitig, heute, 26. Februar 2026: Steve Witkoff, Trumps Sondergesandter, und Jared Kushner sitzen in Genf mit dem ukrainischen Chefunterhändler Rustem Umerov zusammen. Es ist ein bilaterales Treffen – Vorbereitung für die nächste trilaterale Runde Anfang März. Kirill Dmitriev, Putins Wirtschaftsbeauftragter, ist ebenfalls nach Genf eingeflogen. Nebenan, im selben Konferenzgebäude, führt Witkoff parallel Gespräche mit einer iranischen Delegation über das Atomprogramm der Islamischen Republik.
Ein Mann, zwei Kriege, ein Tag. Das ist die Verdichtung des aktuellen Moments.
Die Verhandlungschronologie der letzten Wochen: Davos (Januar 2026) – erste Gesprächssondierungen. Abu Dhabi (4./5. Februar) – erste offizielle trilaterale Runde. Abu Dhabi II (Anfang Februar) – zweite Runde, kein Durchbruch, aber US-Russland vereinbaren erstmals seit 2021 die Wiederherstellung militärischer Kommunikationskanäle. Genf (17./18. Februar) – dritte Runde, vorzeitiger Abbruch. Genf bilateral (26. Februar) – Vorbereitung der vierten Runde. Trilateral Anfang März – geplant, Datum offen.
An keinem dieser Tische saß ein EU-Vertreter. An keinem der geplanten Tische wird einer sitzen.
Was dieser Artikel dokumentiert, hat in europäischen Redaktionen kaum stattgefunden: Russland hat in diesen Verhandlungen mehr konzediert als je seit Kriegsbeginn – und Europa erfährt es nicht, weil es nicht am Tisch sitzt.
Was wirklich auf dem Tisch liegt
Das Quincy Institute for Responsible Statecraft in Washington hat am 29. Januar 2026 ein Dokument veröffentlicht, das in europäischen Mainstream-Medien kaum rezipiert wurde. Die Autoren Anatol Lieven, Direktor des Eurasia-Programms, und Mark Episkopos, Research Fellow, haben den Verhandlungsstand systematisch dokumentiert – nicht als Meinungsstück, sondern als Bestandsaufnahme belegter Positionen beider Seiten. Was dort steht, ist bemerkenswert.
Russland hat erhebliche Konzessionen gemacht. Die ursprüngliche russische Forderung aus den Istanbuler Gesprächen von 2022 lautete: die ukrainische Armee auf maximal 85.000 Mann zu begrenzen. Der aktuelle Verhandlungsstand sieht eine ukrainische Friedensarmee von mindestens 600.000, in manchen Entwürfen bis zu 800.000 Mann vor. Das wäre mit Abstand die größte Armee in Europa – größer als die Bundeswehr im Vollausbau, größer als die französischen Streitkräfte. Diese Verschiebung um den Faktor zehn ist keine Randkorrektur; sie ist eine strategische Kehrtwende.
Warum Moskau sich so weit bewegt, bleibt eine offene Frage. Erschöpfung, strategisches Kalkül im Hinblick auf den Indopazifik-Pivot Washingtons, oder chinesischer Druck auf eine Deeskalation – alle drei Faktoren spielen eine Rolle, keiner ist abschließend dokumentiert. Was dokumentiert ist: Die Bewegung findet statt.
Darüber hinaus hat Moskau den EU-Beitritt der Ukraine akzeptiert. Das ist eine Position, die Putin vor und nach dem Euromaidan 2014 explizit abgelehnt hatte. Beim Alaska-Gipfel im August 2025 – dem ersten direkten Treffen zwischen Trump und Putin seit Kriegsbeginn, dokumentiert von Joint Base Elmendorf-Richardson in Anchorage – stimmte Putin dem Prinzip substanzieller, bindender westlicher Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu, wie das Quincy Institute auf Basis der Gipfeldokumente belegt. Gleichzeitig lehnte Moskau westliche Truppenpräsenz auf ukrainischem Boden weiterhin kategorisch ab. Prinzip ja, Umsetzung nein – dieser Widerspruch ist bis heute nicht aufgelöst und bleibt einer der zentralen Knackpunkte der laufenden Verhandlungen. Und im Donbass hat Moskau seine ursprüngliche Maximaloption aufgegeben: Russland ist bereit, die Frontlinie in den Regionen Saporischschja und Cherson einzufrieren – es verzichtet damit auf die vollständige Annexion dieser Gebiete, die es formell beansprucht.
Die ukrainische Seite hat ebenfalls konzediert. Präsident Zelensky hat öffentlich und wiederholt anerkannt, dass die östlichen und südöstlichen Gebiete nicht auf dem Verhandlungsweg zurückgewonnen werden können. Die Ukraine hat dem Weißen-Haus-Vorschlag zugestimmt, Teile des östlichen Donezk zu demilitarisieren – auch jene Teile, die noch unter Kyiwer Kontrolle stehen. Der NATO-Beitritt ist de facto vom Tisch; verhandelt wird stattdessen über alternative Sicherheitsgarantien. Ein landesweites Referendum über territoriale Konzessionen, das der Rada zur Ratifizierung vorgelegt werden könnte, wird von Kyiw nicht mehr ausgeschlossen.
Dazu kommt ein oft übersehenes Element: das sogenannte Prosperity-Paket. Washington hat ein internationales Wiederaufbau- und Entwicklungsprogramm für die Nachkriegs-Ukraine in Aussicht gestellt. Es ist der wirtschaftliche Hebel des Deals – die Botschaft lautet: Wer Konzessionen macht, bekommt Wiederaufbau. Klassisches transaktionales Dealmaking, wie es Trump aus seiner Immobilienbiographie kennt.
All das ist dokumentiert, belegt, aus Regierungskommunikation und Primärquellen rekonstruierbar. Es ist kein Gerücht. Es ist der Verhandlungsstand, der in europäischen Redaktionen kaum stattfindet.
Die echten Knackpunkte
Und dennoch: Die Genfer Gespräche vom 18. Februar brachen vorzeitig ab. Zelensky bezeichnete den ersten Tag als „schwierig“ und warf Russland öffentlich vor, die Verhandlungen zu verschleppen. Medinsky, Russlands Chefunterhändler, beschrieb die Runde als „schwierig, aber sachlich“. Das Weiße Haus sprach von „bedeutsamem Fortschritt“. Keine der drei Seiten hatte denselben Abend beschrieben.
Was blockiert, lässt sich auf drei Kernfragen reduzieren.
Der Donbas. Das letzte offene Territorialproblem ist der östliche Donezk. Russland fordert den vollständigen Rückzug ukrainischer Truppen aus dem gesamten Donezk – also nicht nur aus den russisch kontrollierten Teilen, sondern auch aus den 20 Prozent des Gebiets, die noch unter ukrainischer Kontrolle stehen. Kyiw will die Frontlinie einfrieren, wo sie ist. Das ist kein kleiner Unterschied. Es ist das psychologische und militärische Kernproblem des Konflikts – zehn Jahre Kämpfe, unzählige Tote, tief eingeschriebene Identitätspolitik auf beiden Seiten.
Das Atomkraftwerk Saporischschja. Vor dem Krieg lieferte es rund ein Viertel der ukrainischen Stromversorgung. Russische Kräfte halten es militärisch besetzt. Washington hat einen Drei-Parteien-Verwaltungsrahmen vorgeschlagen: USA, Ukraine, Russland als gemeinsame Manager. Das Modell ist pragmatisch – es adressiert ukrainische Energiebedürfnisse, US-Wirtschaftsinteressen und lässt Russland nicht vollständig ausgeschlossen. Für Kyiw bleibt es dennoch eine schwer zu verkaufende Konzession. Für Moskau ist jede Vereinbarung, die seinen Militärbesitz der Ukraine und den USA gemeinsam unterstellt, verhandlungstechnisch heikel.
Die Sicherheitsgarantien. Zelensky hat öffentlich um 30 bis 50 Jahre US-Garantien für die Ukraine nachgesucht. Das Weiße Haus bewegt sich in diese Richtung – aber die Frage, was genau diese Garantien umfassen, ist offen. Der entscheidende Punkt: Die von Frankreich und Großbritannien diskutierten Pläne zur Stationierung europäischer Truppen in der Ukraine als „Friedenssicherung“ sind für Moskau eine absolute rote Linie. Putin hat das mehrfach explizit kommuniziert. Falls Europa an diesem Konzept festhält und es in die Verhandlungen trägt, gefährdet das den gesamten Prozess.
Das GRU-Signal
Es gibt einen Aspekt der Verhandlungsarchitektur, der in westlichen Medien fast vollständig ignoriert wird – und der vielleicht mehr über den Ernst der Lage aussagt als alle offiziellen Erklärungen zusammen.
Russland hat zu den Gesprächen in Abu Dhabi und Genf General Igor Kostjukow entsandt. Kostjukow ist der Chef des GRU – des russischen Militärgeheimdienstes. Sein ukrainisches Gegenüber ist Kyrylo Budanov, Direktor des HUR, des ukrainischen Militärgeheimdienstes.
Wenn Geheimdienstchefs direkt verhandeln, ist das keine Geste der Höflichkeit. Es ist ein Signal der Ernsthaftigkeit. Der GRU ist keine diplomatische Behörde; er ist die operative Intelligenz des russischen Militärapparats. Budanov ist auf ukrainischer Seite der Mann, der Informationen über russische Truppenbereitstellungen und Operationspläne besser kennt als jeder Diplomat.
Diese Ebene der Gespräche entzieht sich der Menschenrechtsrhetorik, der Narrativpflege, dem öffentlichen Aufritt. Hier werden militärische Realitäten besprochen – Truppenstandorte, Pufferzonenbreiten, Überwachungsmechanismen für einen möglichen Waffenstillstand. Wenn Putin Kostjukow schickt, hat er entschieden: Das hier ist nicht Performance. Das ist Substanz.
Trumps Zeitplan und der strategische Rahmen
Um zu verstehen, warum diese Verhandlungen überhaupt stattfinden, muss man verstehen, warum Washington sie führt.
Die Antwort steht in zwei Dokumenten. Die National Security Strategy vom November 2025 beschreibt Russland als „persistent but manageable threat“ – eine anhaltende, aber beherrschbare Bedrohung. Gleichzeitig formuliert sie, dass Europa primär die Verantwortung für seine eigene konventionelle Verteidigung übernehmen soll. Die National Defense Strategy vom Januar 2026 benennt China explizit als die eigentliche strategische Priorität der Vereinigten Staaten.
Der Subtext ist eindeutig: Washington will die Hände frei haben. Ein eingefrorener Ukraine-Konflikt ist die Voraussetzung für den vollständigen strategischen Pivot in den Indopazifik. Europa soll Russland konventionell abschrecken – das ist die neue Arbeitsteilung. Amerika kümmert sich um China.
Vor diesem Hintergrund ist die Bloomberg-Meldung vom 24. Februar zu lesen: Laut NATO-Kreisen und europäischen Diplomaten will die Trump-Administration einen Friedensdeal bis zum 4. Juli 2026 erreichen. Die Symbolik ist kaum zu überbieten: 250 Jahre amerikanische Unabhängigkeit, gefeiert mit einem Ende des größten europäischen Krieges seit 1945. Trump als Peacemaker auf der weltgrößten Bühne – das ist der PR-Rahmen, den das Weiße Haus im Kopf hat.
Wichtige Präzisierung: Bloomberg zitiert hier keine offizielle Aussage Trumps, sondern Verbündete und Diplomatiekreise. Die Deadline ist kein formelles Ultimatum – sie ist ein Druckmittel, Teil des transaktionalen Verhandlungsstils, den Trump seit Jahrzehnten betreibt. Und sie erklärt das Tempo: Witkoff in Genf, Witkoff in Teheran, Kushner im Privatjet zwischen Hauptstädten. Der Kalender läuft.
Europa fehlt – der Befund
Und jetzt zur eigentlichen Geschichte.
Vier Verhandlungsrunden. Kein EU-Vertreter am Tisch. Kein EU-Mandat für die Gespräche. Keine EU-Position, die in den Textentwürfen verankert ist.
Dabei hat Europa seit Februar 2022 über 120 Milliarden Euro in die Ukraine gepumpt – in Waffenlieferungen, Budgethilfe, Flüchtlingsversorgung, humanitäre Unterstützung. Europäische Länder haben ukrainische Soldaten ausgebildet. Europäische Rüstungsindustrie liefert Munition, Panzer, Artillerie. Die EU hat neunzehn Sanktionspakete gegen Russland verabschiedet, das zwanzigste ist gerade in Vorbereitung. Europäische Steuerzahler tragen einen erheblichen Teil der Kosten dieses Krieges.
Am Verhandlungstisch: Fehlanzeige.
Die europäische Reaktion auf diese Lage ist in München dokumentiert worden. Beim Sicherheitsgipfel am 13. und 14. Februar war die Dissonanz nicht zu übersehen. Macron hatte seit Wochen versucht, ein Telefonat mit Putin zu arrangieren – es kam nicht zustande. Der Elysée schickte stattdessen Macrons außenpolitischen Berater nach Moskau; der Kreml reagierte mit öffentlichem Spott. Beim gemeinsamen Presseauftritt von Macron, Merz und Starmer in München versuchte Macron mehrfach, Merz die Hand zu reichen – Merz ignorierte ihn demonstrativ. Die Berliner Zeitung schrieb danach: Das Ergebnis von München sei nicht die transatlantische Spaltung, sondern die innereuropäische.
Dieser Moment ist mehr als Anekdote. Er zeigt, dass Europa nicht als einheitlicher Akteur in diese Verhandlungsphase eintritt – sondern als Summe nationaler Positionen, die sich in München gegenseitig blockieren. Macron will Kanal zu Moskau. Merz will rote Linien. Kallas will Normen. Keiner dieser Ansätze ist falsch. Zusammen ergeben sie keine Verhandlungsposition.
Merz formulierte seine Position scharf: „Kein Diktatfrieden über die Köpfe Europas und der Ukraine.“ Von der Leyen veröffentlichte Erklärungen über Unterstützung „aus einer Position der Stärke“. Kallas sprach über Normen und Rechenschaft. Macron sagte, jeder Friedensplan könne „nur mit den Europäern am Tisch abgeschlossen werden“. Alle diese Sätze sind vollständig korrekt. Und alle diese Sätze verändern die Verhandlungsstruktur in Genf um exakt null Komma nichts.
Zelensky selbst hat das klargestellt – ruhig und ohne Empörung: Wenn Europa einen eigenen Verhandlungskanal mit Russland aufmacht, werde Russland Europa demütigen. Das ist keine Kritik an Europa. Das ist eine Einschätzung der Machtlage.
Die strukturellen Gründe für Europas Abwesenheit sind nicht böser Wille Washingtons. Sie sind Verhandlungslogik. Russland betrachtet die EU und ihre Mitgliedstaaten als Konfliktparteien – als Waffenlieferanten, als Sanktionsverhänger, als politische Unterstützer Kyiws. Einen Konfliktpartner an den Tisch zu holen, an dem Frieden verhandelt wird, ist diplomatisch unüblich. Wer den Krieg mitfinanziert hat, verhandelt nicht neutral. Das gilt für beide Seiten.
Washington hingegen hat ein klares Interesse daran, die Verhandlungen schlank zu halten. Jeder zusätzliche Akteur bringt zusätzliche Bedingungen, zusätzliche rote Linien, zusätzliche innenpolitische Rücksichten. Die europäischen Truppenpläne – das Konzept einer „Coalition of the Willing“ unter Führung von Frankreich und Großbritannien – wären als Verhandlungsposition in Genf sofort ein russisches Veto. Trump braucht Europa nicht am Tisch, um einen Deal zu machen. Er braucht Europa nachher, um ihn zu finanzieren.
Drei Szenarien
Was kommt als nächstes? Keine Wahrscheinlichkeiten – das wäre Spekulation. Aber drei qualitative Szenarien lassen sich aus dem Verhandlungsstand ableiten.
Das erste Szenario: Ein Deal ohne Europa. USA, Russland und Ukraine einigen sich auf ein Abkommen entlang der aktuellen Frontlinie, mit modifizierten Sicherheitsgarantien, einem Drei-Parteien-Management für Saporischschja und einem Wiederaufbaufonds als wirtschaftlichem Rahmen. Europa wird in die Umsetzung eingebunden – als Finanzier, als Ausbilder, möglicherweise als Garant an der Frontlinie. Die Architektur des Deals aber ist ohne europäische Mitsprache gesetzt worden. Das ist das realistischste Szenario angesichts der aktuellen Verhandlungsdynamik.
Das zweite Szenario: Europäische Truppenpräsenz als Verhandlungsmasse. Wenn Russland eine europäische Militärpräsenz in der Ukraine letztlich akzeptiert – als Teil eines Gesamtpakets, nicht als einseitige Maßnahme – würde Europa nachträglich eine sicherheitspolitische Rolle erhalten. Das setzt voraus, dass Moskau seinen bisherigen kategorischen Widerstand aufgibt. Dafür gibt es derzeit keine Anzeichen.
Das dritte Szenario: Scheitern. Die Verhandlungen kollabieren am Donbas-Problem. Russland besteht auf vollständigem ukrainischem Truppenabzug, die Ukraine lehnt ab, die USA verlieren die Geduld oder wenden sich dem Iran-Dossier zu. Der Krieg geht weiter. Europa rüstet weiter auf, ohne strategischen Rahmen, ohne Verhandlungsmandat, ohne Perspektive auf Abschluss.
Der Rahmen ist gesetzt, bevor Europa reagiert hat
Die Verhandlungen in Genf werden zu einem Ergebnis kommen – oder scheitern. Beides passiert ohne europäische Stimme an dem Tisch, an dem die Bedingungen formuliert werden.
Wenn sie Erfolg haben, ist die Sicherheitsarchitektur Europas für die nächsten Jahrzehnte von Washington, Moskau und Kyiw gesetzt worden. Die Grenzen, die Garantien, die Rüstungsobergrenzen, die wirtschaftliche Einbindung der Ukraine – all das wird in Entwürfen stehen, die europäische Hauptstädte zur Kenntnis genommen, aber nicht mitgeschrieben haben. Dann, wenn der Tintenstrich trocken ist, wird Europa gebeten werden zu zahlen.
Wenn die Verhandlungen scheitern, kämpft Europa weiter mit – ebenfalls ohne Mitsprache über die Bedingungen, unter denen dieser Krieg geführt und beendet wird.
Das ist keine Katastrophe durch Böswilligkeit. Es ist Marginalisierung durch strukturelle Irrelevanz im entscheidenden Moment. Europa hat vier Jahre lang Geld, Waffen und politischen Kapital in diesen Krieg investiert. Es hat – aus nachvollziehbaren Gründen, die in den Verhandlungslogiken beider Hauptparteien wurzeln – keinen Platz am Tisch erkämpft.
Aus Genf kommen Berichte über Fortschritte. Und gleichzeitig Berichte über Stillstand. Beides stimmt. Was nicht stimmt: dass Europa Teil des Prozesses ist, der über Krieg und Frieden auf seinem eigenen Kontinent entscheidet.
Europa zahlt. Europa kämpft mit. Europa verhandelt nicht.
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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com , bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.
Quellenliste
1. Quincy Institute for Responsible Statecraft Anatol Lieven / Mark Episkopos: „Frequently Asked Questions About the Russia-Ukraine Negotiations“ 29. Januar 2026 https://quincyinst.org/research/frequently-asked-questions-about-the-russia-ukraine-negotiations/
2. Bloomberg „Four Years Into Putin’s War, Ukraine Peace Push Is Stalling“ 24. Februar 2026 – Quelle für Juli-4-Deadline (NATO-Kreise und europäische Diplomaten) https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-02-24/four-years-into-putin-s-war-the-ukraine-peace-push-is-stalling
3. ABC News „4 years into Russian invasion, fundamental sticking points on Ukraine peace deal remain“ 24. Februar 2026 – Quelle für ukrainische Regierungsquelle „Vergiss die 5 Prozent“ https://abcnews.com/International/4-years-russian-invasion-fundamental-sticking-points-ukraine/story?id=130401757
4. Foreign Policy „Russia-Ukraine Peace Talks Cut Short in Geneva“ 18. Februar 2026 – Genfer Gesprächsabbruch, Zelensky/Medinsky-Zitate https://foreignpolicy.com/2026/02/18/russia-ukraine-peace-talks-geneva-zelensky-putin-stalled-negotiations/
5. TIME „Ukraine-Russia Peace Talks End Abruptly“ 18. Februar 2026 – zweiter Genfer Tag, Medinsky-Zitat, Weißes Haus-Statement https://time.com/7379321/ukraine-russia-peace-talks-end-zelensky-trump-clash/
6. Euronews „US and Russia agree to re-establish military dialogue after Ukraine peace talks in Abu Dhabi“ 6. Februar 2026 – Wiederherstellung US-Russland Militärkommunikation, Abu Dhabi II https://www.euronews.com/2026/02/06/us-and-russia-agree-to-re-establish-military-dialogue-after-ukraine-peace-talks-in-abu-dha
7. Al Jazeera „US, Ukraine to meet in Geneva as Russia hits cities with missiles, drones“ 26. Februar 2026 – bilaterales Treffen Genf, Umerov/Witkoff/Kushner, Dmitriev-Einreise https://www.aljazeera.com/news/2026/2/26/us-ukraine-to-meet-in-geneva-as-russia-attacks-kyiv-with-missiles-drones
8. Kyiv Post „Zelensky Announces Ukraine-US Talks Set for Thursday in Geneva“ 25. Februar 2026 – Zelensky-Bestätigung bilateraler Gespräche, Prosperity Package, Trilateral März https://www.kyivpost.com/post/70758
9. Newsweek „Ukraine War Update: Zelensky Says Dozens Hurt in Massive Russian Strike After Trump Call“ 26. Februar 2026 – Dmitriev-Einreise Genf (TASS), Russlandangriff parallel zu Gesprächen https://www.newsweek.com/russia-ukraine-war-news-update-trump-zelensky-call-strikes-11584686
10. Kyiv Post „Merz Pours Cold Water on Macron’s Push for Putin Talks“ 14. Februar 2026 – München, Macron-Merz-Konflikt, Macrons gescheiterter Putin-Anruf https://www.kyivpost.com/post/70053
11. China Daily / AFP „EU leaders reject peace deal shaped without Ukrainians, Europeans“ Dezember 2025 – Merz/Macron/Kallas gemeinsame Erklärung https://global.chinadaily.com.cn/a/202512/02/WS692e489fa310d6866eb2c711.html
12. Axios „Trump Ukraine peace plan 28 points“ – Truppengrenze 600.000 / 800.000 20. November 2025 https://www.axios.com/2025/11/20/trump-ukraine-peace-plan-28-points-russia
13. Mezha.net „US Envoy Details Progress in Ukraine-Russia-US Geneva Peace Talks“ 26. Februar 2026 – Witkoff über „Prosperity Agreement“, Sicherheitsprotokolle https://mezha.net/eng/bukvy/us-envoy-details-progress-in-ukraine-russia-us-geneva-peace-talks/
14. CNN Live Updates „US and Iran In Talks in Geneva – Ukraine talks parallel“ 26. Februar 2026 – Witkoff führt Iran- und Ukraine-Gespräche am selben Tag, Genf https://www.cnn.com/us/live-news/trump-administration-us-iran-talks-02-26-26
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