DER RAUB, DEN SIE „FRIEDEN“ NENNEN
von Michael Hollister
Exklusive Veröffentlichung nur bei Michael Hollister am 22.02.2026
3.009 Wörter * 16 Minuten Lesezeit
Den ersten Teil der 3-teiligen Serie finden Sie bitte hier:
BOARD OF PEACE – Teil 1 – DER RAUB, DEN SIE „FRIEDEN“ NENNEN
Den zweiten Teil der 3-teiligen Serie finden Sie bitte hier:
BOARD OF PEACE – Teil21 – DER RAUB, DEN SIE „FRIEDEN“ NENNEN

Diese Analyse ist frei zugänglich – aber gute Recherchen kosten Zeit, Geld, Energie und Nerven. Unterstützen Sie mich, damit diese Arbeit weitergehen kann.
Oder unterstützen Sie mich auf Substack – schon ab 5 USD pro Monat.
Gemeinsam bauen wir eine Gegenöffentlichkeit auf.
Teil 3: Die Konsequenzen
VIII. DAS GESCHÄFTSMODELL: ERST ZERSTÖREN, DANN KASSIEREN
Es gibt ein Muster. Es ist nicht neu. Es ist nur diesmal besonders dreist.
Schritt 1: Destabilisierung
Ein Land wird zum Problem erklärt. Die Begründungen variieren: Terrorismus, Massenvernichtungswaffen, Diktatur, Drogen, Menschenrechtsverletzungen. Manchmal stimmen diese Begründungen teilweise. Meistens sind sie vorgeschoben. Immer dienen sie demselben Zweck: Legitimation für das, was folgt.
Schritt 2: Zerstörung
Das Land wird bombardiert. Infrastruktur wird zerstört. Krankenhäuser, Schulen, Straßen, Kraftwerke, Wasserversorgung. Hunderttausende sterben. Millionen fliehen. Die Wirtschaft kollabiert. Das Land versinkt im Chaos.
Schritt 3: „Wiederaufbau“
Jetzt kommen die Retter. Internationale Organisationen, Hilfsgelder, Entwicklungsbanken. Und vor allem: Konzerne. Bauunternehmen, die Infrastruktur wiederaufbauen. Banken, die Kredite vergeben. Investoren, die „entwickeln“. Der Wiederaufbau wird finanziert – mit Geld, das zurückgezahlt werden muss. Mit Zinsen. Mit Bedingungen.
Schritt 4: Profit
Die Konzerne verdienen. Die Banken verdienen. Die Investoren verdienen. Das zerstörte Land bleibt verschuldet, abhängig, kontrolliert. Die Ressourcen – Öl, Gas, Mineralien – fließen nach außen. Der Profit auch.
Dieses Modell hat einen Namen: Disaster Capitalism. Die Journalistin Naomi Klein hat es 2007 in ihrem Buch „Die Schock-Strategie“ beschrieben. Krisen – ob natürliche Katastrophen oder Kriege – werden genutzt, um radikale wirtschaftliche Umstrukturierungen durchzusetzen, die in normalen Zeiten auf Widerstand stoßen würden.
Gaza ist kein Einzelfall. Gaza ist das Lehrbuch-Beispiel.
Historische Parallelen:
Irak, 2003-2011:
Die USA bombardieren Irak mit der Begründung, Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen. Die Begründung war eine Lüge – dokumentiert, bewiesen, zugegeben. Colin Powell nannte es später seinen „Schandfleck“. Aber der Krieg fand trotzdem statt.
500.000 bis 1 Million Iraker sterben. Die Infrastruktur wird zerstört. Das Land versinkt in Bürgerkrieg und Chaos.
Dann kommt der Wiederaufbau. US-Konzerne bekommen Milliarden-Aufträge: Halliburton (Dick Cheneys früherer Arbeitgeber), Bechtel, KBR. Sie bauen Infrastruktur wieder auf – dieselbe Infrastruktur, die US-Bomben zerstört haben.
Halliburton allein erhielt Verträge im Wert von über 39 Milliarden US-Dollar zwischen 2003 und 2013. Bechtel bekam 2,3 Milliarden für Infrastrukturprojekte.
Wer zahlt? Der irakische Staat – mit Öl-Einnahmen, mit Schulden, mit Abhängigkeit.
Wer profitiert? US-Konzerne.
Das irakische Volk? Millionen Tote, Millionen Flüchtlinge, ein zerstörtes Land, Jahrzehnte zurückgeworfen.
Afghanistan, 2001-2021:
Die USA bombardieren Afghanistan, um Al-Qaida zu zerstören und die Taliban zu stürzen. 20 Jahre Krieg. 176.000 Tote. 2,3 Billionen US-Dollar ausgegeben.
Wer profitiert? Rüstungskonzerne. Lockheed Martin, Raytheon, Boeing. Ihre Aktienkurse stiegen während des Krieges kontinuierlich.
Der Wiederaufbau? Milliarden flossen nach Afghanistan – offiziell für Entwicklung, Infrastruktur, Demokratie. Realität: Ein Großteil versickerte in Korruption, verschwand in den Taschen von Warlords, US-Kontraktoren und afghanischen Eliten.
Das Ergebnis, 2021: Die Taliban sind zurück an der Macht. Genau dieselben Taliban, die 2001 gestürzt wurden. 20 Jahre Krieg haben nichts gebracht – außer Profit für Konzerne und Tod für Afghanen.
Libyen, 2011:
NATO bombardiert Libyen, geführt von USA, Frankreich, UK. Begründung: Schutz von Zivilisten vor Gaddafi. Resultat: Gaddafi tot, Libyen zerstört.
Heute, 2026, hat Libyen keine funktionierende Regierung. Es gibt zwei konkurrierende Regierungen, Dutzende Milizen, offene Sklavenmärkte, wo afrikanische Migranten verkauft werden. Das reichste Land Afrikas (pro Kopf, vor 2011) ist ein Failed State.
Wer profitiert? Westliche Ölfirmen bekamen Zugang zu libyschen Ölfeldern. Französische Konzerne gewannen Verträge.
Das libysche Volk? Chaos, Armut, Krieg.
Das Gaza-Modell:
Gaza folgt demselben Muster. Aber mit einer entscheidenden Verschärfung: Diesmal wird die Kontrolle nicht verschleiert. Diesmal gibt es kein Vortäuschen von Souveränität. Diesmal wird eine Kolonialverwaltung offen installiert.
Schritt 1: Zerstörung – Israel bombardiert Gaza 26 Monate lang. Mit US-Waffen. Mit US-Unterstützung. 80.000 Tote. 86-90% Zerstörung.
Schritt 2: Ansage – Trump kündigt im Februar 2025 an: „We have it.“ Gaza wird uns gehören.
Schritt 3: Board of Peace – Januar 2026 wird eine Verwaltungsstruktur installiert. Mit Bauunternehmern (Witkoff), Finanziers (Rowan), Investoren (Kushner, Gabay).
Schritt 4: Profit – Die Wiederaufbau-Projekte werden vergeben. An wen? An die Board-Mitglieder. An ihre Firmen. An ihre Partner.
Das ist nicht Korruption. Korruption wäre, wenn das illegal wäre. Hier ist es offiziell. Hier ist es die Struktur.
Jack the Ripper gründet das Frauenhaus. Und er besitzt die Baufirma, die es baut. Und er besitzt die Bank, die es finanziert. Und er kassiert die Miete. Und er nennt es „Schutz“.
Die Frage der Finanzierung:
Das Whitehouse.gov-Statement erwähnt eine Zahl: „Member states are expected to contribute a minimum of $1 billion to the reconstruction fund.“
1 Milliarde US-Dollar – als Mitgliedsbeitrag. Das ist nicht das Gesamt-Budget. Das ist nur der Einstieg.
Gaza wiederaufzubauen – Infrastruktur, Häuser, Krankenhäuser, Schulen, Wasser, Strom – wird Dutzende Milliarden kosten. Schätzungen sprechen von 40 bis 100 Milliarden US-Dollar.
Wer zahlt?
Die Golfstaaten – Qatar, UAE – sind im Board. Sie sollen Geld geben. Die Weltbank – vertreten durch Ajay Banga – soll finanzieren. Kredite. Mit Bedingungen.
Aber wer zahlt am Ende wirklich? Gaza. Die Palästinenser. Durch Schulden. Durch Ressourcen. Durch Abhängigkeit.
Das Gaza Marine Gasfeld vor der Küste wird auf 1 Billion Kubikmeter geschätzt. Wert: Dutzende Milliarden Dollar. Wer wird die Förderlizenzen bekommen? Wer wird das Gas verkaufen?
Nicht die Palästinenser. Das Board.
Das ist das Geschäftsmodell: Zerstören, wiederaufbauen, kassieren. Und die Menschen, denen das Land gehört, bleiben verschuldet und enteignet.
IX. DER PRÄZEDENZFALL: BLUEPRINT FÜR IRAN, PANAMA, VENEZUELA
Gaza ist nicht der Endpunkt. Gaza ist der Test-Run.
Erinnern Sie sich an „Operation Pivot“ – meinen Artikel über die Vier-Fronten-Strategie der USA gegen De-Dollarisierung? Dort wurde analysiert:
- Front 1: Venezuela – Öl, Gold, Anti-Dollar-Allianz → Angriff erfolgte (3. Januar 2026)
- Front 2: Iran – Öl, Gold, Anti-Dollar-Allianz → Bombardierung kommt (Q1/Q2-2026)?
- Front 3: Panama-Kanal – Handelskontrolle → Drohungen laufen (Q2/Q3-2026 ?)
- Front 4: China/Taiwan – Technologie, Halbleiter → 2027-2028 geplant ?
Gaza passt perfekt in diese Strategie. Nicht weil Gaza wirtschaftlich so entscheidend wäre – obwohl das Gas wichtig ist. Sondern weil Gaza das Modell testet.
Was wird in Gaza getestet?
1. Völkerrechtsbruch ohne Konsequenzen
Trump kündigte im Februar 2025 offen Annexion an. Die Welt protestierte. Die IBA nannte es illegal. Die UN warnte vor ethnischer Säuberung. Und dann? Nichts. Keine Sanktionen. Keine Konsequenzen. Nur Worte.
Elf Monate später wird das Board gegründet. Die Annexion wird institutionalisiert.
Lektion: Man kann Völkerrecht offen brechen. Man kann es ankündigen. Man kann es umsetzen. Und niemand wird einen stoppen.
2. „Friedens“-Narrativ als Deckung
Das heißt nicht „Board of Annexation“. Das heißt nicht „Kolonialverwaltung“. Das heißt „Board of Peace“.
Krieg wird zu Frieden umdefiniert. Annexion wird zu Wiederaufbau umdefiniert. Enteignung wird zu Entwicklung umdefiniert.
Lektion: Man braucht keine ehrlichen Begriffe. Man braucht nur die richtigen Worte.
3. Wirtschaftliche Ausbeutung als „Entwicklung“
Investoren verdienen am Wiederaufbau. Konzerne bekommen Aufträge. Banken vergeben Kredite. Und das wird verkauft als „Hilfe“, als „Entwicklung“, als „Chance“.
Lektion: Man kann aus Zerstörung Profit machen – und es als Humanismus verkaufen.
4. Militärische Besatzung als „Stabilisierung“
Die ISF – International Stabilization Force – unter US-General Jeffers kontrolliert Gaza militärisch. Das ist keine UN-Friedensmission. Das ist Besatzung.
Aber es heißt nicht „Besatzung“. Es heißt „Stabilisierung“.
Lektion: Man kann ein Land militärisch besetzen – wenn man es richtig benennt.
5. UN als Legitimations-Feigenblatt
Das Board referenziert UN-Resolution 2803. Das suggeriert UN-Legitimität. Aber die UN kontrolliert nichts. Die UN hat keine Macht über das Board.
Lektion: Man braucht die UN nicht. Man braucht nur die Erwähnung der UN.
Wenn Gaza funktioniert…
Wenn das Board of Peace in Gaza durchgeht. Wenn die Welt das akzeptiert. Wenn keine substantiellen Konsequenzen folgen. Was passiert dann?
Caracas bekommt ein Board of Peace.
Venezuela wurde am 3. Januar 2026 angegriffen. Maduro wurde entführt. Die USA kontrollieren jetzt de facto Venezuela. Was fehlt? Eine Verwaltungsstruktur.
Ein „Board of Peace for Venezuela“. Chairman: Trump. Mitglieder: US-Ölkonzerne (ExxonMobil, Chevron), Investoren, lateinamerikanische Partner-Regierungen. Aufgabe: „Wiederaufbau“ nach dem Krieg. „Stabilisierung“. „Demokratie fördern“.
Realität: Kontrolle über venezolanisches Öl. Kontrolle über Gold-Reserven. Entschuldung zugunsten von US-Konzernen.
Teheran bekommt ein Board of Peace.
Iran wurde im Juni 2025 bombardiert. Die Atomanlagen wurden zerstört. Wenn Trump entscheidet, weiter zu eskalieren – Regimewechsel, Besatzung – was dann?
Ein „Board of Peace for Iran“. Chairman: Trump. Mitglieder: US-Energiekonzerne, israelische Partner, Golf-Finanziers. Aufgabe: „Wiederaufbau“. „Demokratisierung“. „Entwicklung“.
Realität: Kontrolle über iranisches Öl und Gas. Zerstörung der Anti-Dollar-Allianz. Entmachtung einer regionalen Macht.
Panama bekommt ein Board of Peace.
Trump droht bereits, den Panama-Kanal zu „nehmen“. Wenn er das tut – militärisch oder durch erzwungenen „Deal“ – was dann?
Ein „Board of Peace for Panama Canal“. Chairman: Trump. Mitglieder: US-Logistikkonzerne, Finanziers, lateinamerikanische Partner. Aufgabe: „Modernisierung“. „Effizienzsteigerung“. „Internationalisierung“.
Realität: US-Kontrolle über eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt.
Das Muster ist universell:
Man kann dieses Modell auf jedes Land anwenden, das die USA als Bedrohung oder als Ressourcenquelle sehen.
- Syrien – bereits teilweise besetzt (US-Truppen kontrollieren Ölfelder). Ein Board könnte das formalisieren.
- Kuba – seit 65 Jahren Embargo. Rubio droht bereits. Ein „Regimewechsel“ plus Board wäre der nächste Schritt.
- Nicaragua – ebenfalls bedroht. Klein, schwach, leicht zu überwältigen.
Das Board of Peace ist kein Gaza-Projekt. Das Board of Peace ist ein globales Werkzeug.
Gaza ist der Test. Wenn es funktioniert, wird es Export-Artikel.
X. DIE EUROPÄISCHE KOMPLIZITÄT: VASSALLEN APPLAUDIEREN
Die Reaktionen europäischer Regierungen auf Trumps Gaza-Pläne waren vorhersehbar.
Februar/März 2025 – als Trump ankündigte, Gaza zu „nehmen“:
Frankreich: Außenminister Jean-Noël Barrot: „Das ist ein schwerwiegender Bruch internationalen Rechts. Frankreich wird niemals die Zwangsvertreibung von Zivilbevölkerung akzeptieren.“
Deutschland: Außenministerin Annalena Baerbock: „Inakzeptabel und im Widerspruch zum Völkerrecht.“
EU-Kommission: Josep Borrell (EU-Außenbeauftragter): „Die EU steht fest an der Seite der Palästinenser und ihres Rechts auf Selbstbestimmung.“
Starke Worte. Klare Positionen. Und dann?
Januar 2026 – als das Board of Peace gegründet wird:
Schweigen. Vereinzelte „Bedenken“. Keine Sanktionen. Keine Konsequenzen. Keine Taten.
Deutschland schickt eine diplomatische Note. Frankreich „beobachtet die Situation“. Die EU ist „besorgt“.
Das ist die europäische Antwort auf offene Annexion: Worte.
Die historische Ironie:
Vergleichen Sie die europäische Reaktion auf Gaza mit der Reaktion auf Russland.
Russland – Krim, (Annexion? / Sezession?) 2014:
- Sofortige Sanktionen
- Einfrieren von Vermögenswerten
- Reiseverbote für russische Offizielle
- Wirtschaftliche Isolation
- Ausschluss aus G8
- Jahrelange Sanktionspakete
Russland greift Ukraine an, 2022:
- Massive Sanktionspakete
- Einfrieren russischer Zentralbank-Reserven (300 Mrd. Euro)
- Energie-Embargo
- SWIFT-Ausschluss russischer Banken
- Waffenlieferungen an Ukraine (über 100 Mrd. Euro)
- Medienkampagne: Russland als Paria-Staat
Jetzt vergleichen Sie das mit:
USA greifen Venezuela an, Januar 2026:
- Keine Sanktionen
- Keine Konsequenzen
- Schweigen
USA bombardieren Iran, Juni 2025:
- Keine Sanktionen
- Keine Konsequenzen
- Schweigen
USA kündigen Gaza-Annexion an, Februar 2025:
- „Bedenken“
- „Inakzeptabel“
- Keine Sanktionen
- Keine Konsequenzen
USA gründen Board of Peace, Januar 2026:
- Schweigen
Die Doppelmoral ist atemberaubend.
Russland – Krim: Sanktionen, Isolation, jahrelange Kampagne.
Wenn die USA annektieren: Bedenken, Worte, Schweigen.
Europa als US-Vasall:
Die Realität ist: Europa ist nicht souverän. Europa ist nicht unabhängig. Europa ist ein Vasall der USA.
Das zeigt sich nicht nur in der Gaza-Frage. Das zeigt sich überall:
Nord Stream: Die USA sprengten (oder ließen sprengen) die Nord Stream-Pipelines im September 2022. Das war Infrastruktur-Terrorismus gegen europäische Energieversorgung. Seymour Hersh, investigativer Journalist, dokumentierte US-Beteiligung.
Europäische Reaktion? Keine Untersuchung. Keine Anklage. Schweigen.
Ukraine-Krieg: Europa zahlt die Kosten. Europa nimmt die Flüchtlinge auf. Europa leidet unter Sanktions-Rückwirkungen (Energie-Krise, Inflation). Europa liefert Waffen.
Die USA? Profitieren. US-Flüssiggas ersetzt russisches Gas – zu vierfachem Preis. US-Rüstungskonzerne liefern Waffen – Europa zahlt. US-Einfluss in Europa wächst – militärisch, wirtschaftlich, politisch.
Gaza: Europa protestiert verbal gegen Trumps Pläne. Aber Europa tut nichts. Europa sanktioniert nicht. Europa bricht nicht mit den USA.
Warum?
Weil Europa militärisch von den USA abhängig ist (NATO). Weil Europa wirtschaftlich mit den USA verflochten ist. Weil europäische Eliten in US-Think Tanks, US-Universitäten, US-Netzwerken sozialisiert wurden.
Europa ist kein unabhängiger Akteur. Europa ist ein Anhängsel der USA.
Die Frage an Europa:
Wenn die USA offen Völkerrecht brechen. Wenn die USA Länder bombardieren, die sie nicht angegriffen haben. Wenn die USA Staatschefs entführen. Wenn die USA Territorien annektieren. Und Europa sagt: „Das ist inakzeptabel“ – aber tut nichts.
Was bedeutet dann „inakzeptabel“?
Nichts.
Es ist ein Wort. Ein leeres Wort. Ein Wort, das europäische Politiker benutzen, um ihr Gewissen zu beruhigen, während sie nichts tun.
Europa applaudiert nicht offen. Aber Europa schweigt. Und Schweigen ist Zustimmung.
XI. FAZIT: WENN FRIEDEN ZUR WAFFE WIRD
Fassen wir zusammen.
1. Die USA – ein Land im Krieg
250 Jahre Existenz. Nur 16-20 Jahre ohne Krieg. 93-94% ihrer Geschichte im Kriegszustand. Seit 1945 über 30 Länder bombardiert. Im Januar 2026 allein: Venezuela angegriffen, Iran bombardiert (Juni 2025), Tanker gekapert, Grönland bedroht. Das ist kein „Verteidiger der Freiheit“. Das ist ein Aggressor.
2. Trump kündigt Annexion an
Februar/März 2025: „We have it.“ „Gaza would be owned by the United States.“ AI-Video mit goldener Trump-Statue über Gaza-Ruinen. CNN: „Trump schlägt vor, 2,1 Millionen Palästinenser zu vertreiben.“
Weltweite Reaktionen: IBA nennt es illegal. UN warnt vor ethnischer Säuberung. Völkerrechtler benennen Verstöße (Römisches Statut, Genfer Konventionen). Arabische Staaten, Europa – alle protestieren.
Konsequenzen? Keine.
3. Board of Peace wird gegründet
Januar 2026: Trump installiert eine Verwaltungsstruktur. Chairman: er selbst, auf Lebenszeit. Executive Board: US-Regierung, Bauunternehmer (Witkoff), Finanziers (Rowan, 650 Mrd. USD), Investoren (Kushner, Gabay). Gaza Executive Board: dieselben Leute nochmal, plus Golfstaaten-Geld.
Palästinenser? Null Entscheidungsmacht. Null Souveränität. Ein paar Technokraten im NCAG – unter Board-Kontrolle.
Militär? ISF unter US-General Jeffers. „Stabilisierung“. „Demilitarisierung“.
Das ist keine Friedensinitiative. Das ist Kolonialverwaltung.
4. Die Profiteure
Witkoff baut Hotels und Resorts – sein Geschäft. Rowan finanziert Projekte – sein Geschäft. Kushner investiert in Immobilien – sein Geschäft. Gabay entwickelt Wohnungen – sein Geschäft.
Das Board ist kein humanitäres Projekt. Das Board ist eine Geschäftsstruktur. Das Geschäftsmodell: Erst zerstören, dann kassieren.
5. Das Völkerrecht
Drei Verstöße:
- Annexion (Artikel 2(4) UN-Charta)
- Zwangsumsiedlung (Römisches Statut Art. 7, Genfer Konventionen)
- Aneignung von Eigentum (Römisches Statut Art. 8)
Alle drei sind illegal. Alle drei sind dokumentiert. Alle drei bleiben folgenlos.
6. Der Präzedenzfall
Gaza ist der Test-Run. Was hier funktioniert, kommt global. Venezuela nach dem 3. Januar-Angriff. Iran nach Bombardierung. Panama nach Kanal-Übernahme.
Das Board of Peace ist kein Gaza-Projekt. Das Board of Peace ist ein Werkzeug für globale Kontrolle.
Die größere Bedeutung:
Das Board of Peace markiert einen Wendepunkt. Nicht weil Völkerrechtsbrüche neu wären – das passiert seit Jahrzehnten. Sondern weil die Verschleierung aufhört.
Früher bombardierten die USA ein Land und sagten: „Wir verteidigen Freiheit.“ Heute bombardieren sie und sagen: „Wir nehmen es.“
Früher installierten sie Marionettenregierungen und behaupteten, das sei Demokratie. Heute installieren sie ein Board unter ihrer Kontrolle und nennen es „Frieden“.
Früher brachen sie Völkerrecht und leugneten es. Heute brechen sie es und egal.
Das ist die post-legale Weltordnung. Recht gilt nur für Schwache. Starke tun, was sie wollen. Und sie müssen nicht einmal mehr so tun, als würden sie sich an Regeln halten.
Trump ist nicht das Problem. Trump ist das Symptom. Das Problem ist ein System, das einem Land erlaubt, 93% seiner Existenz Krieg zu führen, Dutzende Länder zu bombardieren, drei Völkerrechtsbrüche in 18 Monaten zu begehen – und keine Konsequenzen zu erleben.
Das Problem ist eine Weltgemeinschaft, die protestiert, aber nichts tut. Die Resolutionen verabschiedet, aber nicht durchsetzt. Die Recht definiert, aber nicht anwendet.
Das Problem ist Europa, das gegen Russland sanktioniert, aber bei den USA schweigt. Das „Werte“ predigt, aber nur gegen die eigenen Feinde, nicht gegen die eigenen Herren.
Die Frage an uns:
Was tun wir damit?
Wir haben vier Optionen.
Option 1: Wegschauen
Wir können sagen: „Gaza ist weit weg. Das betrifft uns nicht. Wir haben unsere eigenen Probleme.“
Das ist bequem. Das ist menschlich. Und das ist, wie Unrecht zur Norm wird.
Option 2: Worte ohne Taten
Wir können sagen: „Das ist schrecklich. Das ist inakzeptabel. Wir sind besorgt.“
Das ist, was Regierungen tun. Das ist, was Diplomaten tun. Und das ändert nichts.
Option 3: Dokumentieren
Wir können die Fakten sammeln. Die Primärquellen lesen. Die Verstöße benennen. Die Profiteure identifizieren. Die Struktur analysieren.
Wir können sicherstellen, dass in zehn Jahren, wenn Historiker diese Zeit bewerten, die Wahrheit dokumentiert ist. Nicht die offizielle Version. Nicht das „Friedens“-Narrativ. Sondern: was tatsächlich geschah.
Das ist, was dieser Artikel tut.
Option 4: Widerstand
Wir können handeln. Boykott. Sanktionen. Druck auf Regierungen. Unterstützung palästinensischer Organisationen. Delegitimierung des Board.
Das ist schwieriger. Das erfordert Mut. Aber das ist, was Veränderung bewirkt.
Der Schlusssatz:
Die Römer nannten es „Ubi solitudinem faciunt, pacem appellant“ – „Wo sie Einöde schaffen, nennen sie es Frieden.“
Das war vor 2.000 Jahren. Der römische Historiker Tacitus beschrieb, wie Rom eroberte Völker unterwarf und es „Frieden“ nannte.
2.000 Jahre später hat sich die Methode perfektioniert. Aber das Prinzip bleibt gleich.
Sie schaffen Trümmer. Sie vertreiben Millionen. Sie installieren Kontrolle. Sie nennen es „Board of Peace“.
Das ist kein Frieden. Das ist Raub.
Der Raub, den sie „Frieden“ nennen.
Diese Analyse ist frei zugänglich – aber gute Recherchen kosten Zeit, Geld, Energie und Nerven. Unterstützen Sie mich, damit diese Arbeit weitergehen kann.
Oder unterstützen Sie mich auf Substack – schon ab 5 USD pro Monat.
Gemeinsam bauen wir eine Gegenöffentlichkeit auf.
Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com , bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.
QUELLENLISTE
Disaster Capitalism:
- Naomi Klein: „Die Schock-Strategie“ (2007)
- Konzept des Disaster Capitalism
Historische Parallelen:
- Irak-Krieg:
- Halliburton: 39+ Milliarden USD Verträge
- Bechtel: 2,3 Milliarden USD
- Afghanistan:
- Watson Institute (Brown University): Costs of War Project https://watson.brown.edu/costsofwar/
- 2,3 Billionen USD, 20 Jahre Krieg https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1258403/umfrage/ausgaben-der-usa-fuer-den-krieg-in-afghanistan/
- Libyen 2011:
- NATO-Intervention, Failed State
- Syrien:
- US-Besatzung syrischer Ölfelder seit 2014
US-Militärausgaben:
- Dwight D. Eisenhower – Abschiedsrede 1961:
- Warnung vor militärisch-industriellem Komplex
Aktuelle Völkerrechtsbrüche:
- Venezuela (3. Januar 2026):
- Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/2026_United_States_strikes_in_Venezuela
- Al Jazeera: https://www.aljazeera.com/news/2026/1/17/nearly-50-venezuelan-soldiers-killed-in-us-abduction-of-president-maduro
- CSIS: „Imagery from Venezuela Shows a Surgical Strike“ https://www.csis.org/analysis/imagery-venezuela-shows-surgical-strike-not-shock-and-awe
- Grönland-Drohungen:
- Wikipedia: „Greenland crisis“ https://en.wikipedia.org/wiki/Greenland_crisis
- TIME: „The Ways Trump Could Try to Take Greenland“ https://time.com/7344147/greenland-denmark-trump-takeover-independence-purchase-military-nato/
- Al Jazeera: „What are potential ‚hard ways‘ Trump could try to take Greenland?“ https://www.aljazeera.com/news/2026/1/10/what-are-potential-hard-ways-trump-could-try-to-take-greenland
- ABC News: „US military is ‚always an option‘ for Trump to acquire Greenland“ https://abcnews.go.com/Politics/us-military-option-acquiring-greenland-white-house-official/story?id=128960041
- CNN: „US ‚discussing a range of options‘ to acquire Greenland“ https://www.cnn.com/2026/01/06/politics/us-options-greenland-military
- Tanker-Kaperungen (Januar 2026):
- Verstoß gegen UNCLOS (Seerechtsübereinkommen) https://www.reuters.com/business/energy/us-seizing-venezuela-linked-oil-tanker-after-weeks-long-pursuit-2026-01-07
- Marco Rubio Drohungen:
- Gegen Kuba, Kolumbien, Nicaragua https://www.state.gov/releases/office-of-the-spokesperson/2025/12/secretary-of-state-marco-rubio-remarks-to-the-press-6
Operation Pivot:
- Eigener Artikel: „Operation Pivot“
- Vier-Fronten-Strategie
- RAND Corporation 2016 https://www.michael-hollister.com/de/2026/01/11/von-der-rand-studie-zur-nationalen-sicherheitsstrategie/
Europäische Reaktionen:
- Europa zu Gaza (Februar/März 2025 vs. Januar 2026):
- Nord Stream-Sprengung (September 2022):
- Seymour Hersh: Investigativer Bericht
Völkerrecht:
- Römisches Zitat – Tacitus „Agricola“ (98 n. Chr.):
- „Ubi solitudinem faciunt, pacem appellant“
- UN-Charta:
- Artikel 2(4): Gewaltverbot https://unric.org/de/charta/
- Artikel 51: Selbstverteidigung https://www.un.org/en/about-us/un-charter
Eigene Artikel:
- „CIA und die Drogen“ https://www.michael-hollister.com/de/2026/01/25/cia-drogenhandel/
- „Horizon“ (EU-Forschungsförderung) https://www.michael-hollister.com/de/2025/11/30/horizon-europe/
© Michael Hollister — Alle Rechte vorbehalten. Die Weitergabe, Veröffentlichung oder Nutzung dieses Textes bedarf der ausdrücklichen schriftlichen Genehmigung des Autors. Bei Interesse an einer Weiterverwendung kontaktieren Sie bitte den Autor über www.michael-hollister.com.
Newsletter
🇩🇪 Deutsch: Verstehen Sie geopolitische Zusammenhänge durch Primärquellen, historische Parallelen und dokumentierte Machtstrukturen. Monatlich, zweisprachig (DE/EN).
🇬🇧 English: Understand geopolitical contexts through primary sources, historical patterns, and documented power structures. Monthly, bilingual (DE/EN).